Kultur : Zuviel des Guten

Uta M. Reindl

Drei Kunstmessen eröffnen zeitgleich in Köln - und dies zum dritten Mal. Wen wundert es, dass die einschlägige Presse schon vom "Kölner Dreigestirn" spricht? Die älteste und größte der drei ist mit 140 Teilnehmern die 33. Westdeutsche Kunst Messe mit bildender Kunst bis zur Moderne, Kunsthandwerk und Möbeln. Begleitet wird sie von der 16. Antiquariatsmesse sowie der jüngsten, nun zum dritten Mal veranstalteten Kunst Köln. Letztere wirbt wie gewohnt mit Editionen, Art Brut, Kunst nach 1980 und Fotografie. Vor allem einen großen Publikumserfolg versprechen sich die Veranstalter des Messe-Trios - im letzten Jahr zählte die Messeleitung dann auch die stolze Zahl von 33 000 Besuchern. Synergieeffekte werden dann auch bei den Verkäufen erwartet: wenn Besucher etwa nach Sichtung der exquisiten Exponate der Antiquitäten-Messe auf ihrem Rundgang zu der preiswerteren jungen Kunst der Kunst Köln gelangen.

Hochkarätiges bietet die Antiquariatsmesse im ersten Stockwerk der Hallen am Rhein, wobei die Vielfalt des Ausgestellten einen schon hier schier erschlägt: Malerei, Bildhauerei, Glas- und Porzellanarbeiten, Möbel aus allen Jahrhunderten, Schmuck, Besteck und Teppiche gehören zum Angebot. Exklusiv sind auch die Preise, die für die Preziosen verlangt werden: 140 999 Euro kostet etwa der Lyra-Schreibschrank in der Form des Saiteninstruments bei Schlapka aus München und 29 500 Euro die kleine Bronzeplastik von René Sintenis in der Düsseldorfer Galerie Ludorff. Der Antiquitätenhändler Ulf Oldenberg aus Berlin, ein langjähriger Teilnehmer der Westdeutschen Kunstmesse, sehnt sich dagegen die schönen Zeiten zurück, in denen er am Ende nur noch eine Kommode auf dem Stand übrig hatte und fasst den nicht unbedenklichen Entschluss: "Man muss wieder günstiger werden".

Dem kleineren Geldbeutel gilt der von der Kunst Messe Köln eingerichtete Stand für junge Sammler mit ausgesuchten Objekten für unter 2500 Euro. Entschiedener als die Kunst Messe Köln, die mit einer Sonderschau über sakrale Kunst und über Kunsthandwerk aus ungarischen Museen informiert, steht Aufklärungsarbeit im Zentrum der Kunst Köln, wie Klaus Gerrit Friese betont, der dem Bundesverband Deutscher Kunstverleger vorsitzt und die Galerie manus presse in Stuttgart betreibt. Neben dem Begleitprogramm mit Lunchtalks und Panelgesprächen gibt es zwei Sonderschauen. So stellt die von der Kunsthistorikerin Claudia Dichter kuratierte Ausstellung mit August Walla einen Art-Brut-Künstler vor, dessen Bilder, Zeichnungen und Collagen die Komplexität von psychisch-surrealer Wahrnehmung umfassen. Die zweite Sonderschau widmet sich den Fotowerkstätten von Hugo Schmölz. Die Kölner Foto-Galeristin Sabine Schmidt trug gemeinsam mit Anne Ganteführer-Trier 120 ausgezeichnete Sach-, Industrie- und Architekturaufnahmen zusammen. Fast immer sind es kleinformatige Auftragsarbeiten, die Kinosäle, Treppenhäuser oder Maschinenteile dokumentieren und die durch ihren präzisen Hell-Dunkel-Kontrast faszinieren.

Der mit 10 000 Euro dotierte Kunst-Köln-Preis geht in diesem Jahr an Altmeister Sigmar Polke. Eine Sonderausstellung mit Plakaten, Papierarbeiten, Künstlerbüchern und Editionen würdigt den Kölner Ausnahmekünstler. Alle Sonderausstellungen der Messe und auch die jurierten Auszeichnungen der Köln Kunst befassen sich letztlich mit Spielarten von Kunst auf Papier. Dazu passt auch der neue "Fröbus art + print award", der mit einem Preisgeld von 10 000 Euro auf die wachsende Bedeutung von Kunst- und Museumspublikationen verweist. Prämiert werden soll vor allem der "intelligente Einsatz ökonomischer Mittel" bei der Herstellung von Katalogen. In der vom Kölner Künstler Ulrich Strotjohann und dem Designer-Duo Silke Warchold und Nicole Hüttner enwickelten Leselandschaft "relaxing + reading" aus bunten Sitzhockern können Besucher Kataloge in angenehmster Atmosphäre studieren.

Unter den 120 Galerien der Kunst Köln zeigt sich angesichts der gemischten Qualität der Kunst, dass die Auswahlkriterien noch verschärft werden müssten. Und obwohl auch in diesem Jahr Traditionsgalerien wie Spiegel in Köln, Michael Schultz aus Berlin oder Stähli aus Zürich mit Editionen oder Mappenwerken überzeugen, ist Fotografie letztlich das alles schlagende Segment: Rudolf Kicken aus Berlin zeigt beeindruckende Arbeiten des 1893 in Wien geborenen und 1940 verstorbenen österreich-ungarischen Fotografen Anton Josef Trcka (Vorzugspreis für das Portfolio 7500 Euro) neben Vintageprints von verschiedenen Bauhaus-Künstlern. Die Berliner Galerie Fahnemann setzt auf junge Fotografie und präsentiert Michael Weselys mit Zeitraffer am Potsdamer Platz aufgenommenen Langzeitbelichtungen. Wie auch Fahnemann nutzen mehrere Kunsthändler die verschiedenen Sektoren und platzieren ihre Stände sowohl im Foto- wie auch im Editionsbereich. In der auch dadurch mitunter verwirrenden Ausstellungslandschaft in beiden Messehallen sind in diesem Jahr besonders die Rundgänge des Kunstvermittlungsteams Krebber + Schmidt zu empfehlen: Nur dann erschließen sich etwa die durchaus reizvollen Verbindungen zwischen den Selbstporträts des Fotografenpaars LawickMüller bei Patricia Dorfmann (Paris) in der Kunst Köln und den Porträts eines Franz von Stuck in der 33. Westdeutschen Kunstmesse.

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