Kultur : Zwangspfand: Duales System befürchtet Einnahmeverluste von 550 Millionen Mark

Kerstin Kohlenberg

Umwelt hin oder her, die Männer vom Grünen Punkt sind sauer. Denn genau die Dosen und Flaschen, die das Zwangspfand nun wieder zurück in die Läden zwingen will, landeten bislang in den gelben Sammeltonnen des Dualen Systems Deutschland (DSD). Der Weg dorthin führte über den Grünen Punkt, für den die Hersteller beim Dualen System Lizenzen kaufen mussten. Viele dieser Lizenzen fallen durch das Zwangspfand nun weg. DSD-Chef Wolfram Brück rechnet daher damit, dass er im kommenden Jahr 550 Millionen Mark weniger einnehmen wird - ein Achtel der gesamten Lizenzeinnahmen. Existenzbedrohend seien diese Ausfälle bei einem Jahresumsatz von 3,9 Milliarden Mark jedoch nicht, sagte eine Sprecherin des Dualen Systems.

Durch Einsparungen bei den Sammelbehältern könnten die Ausfälle zwar zum Teil ausgeglichen werden, sagte Brück, den Rest müssten jedoch die Lizenzgebühren stopfen. Auf einige Senkungen werde man im kommenden Jahr wohl verzichten. So sollten die Kunststoffe bis 2004 eigentlich nur noch 1,50 Mark pro Kilogramm kosten, nicht mehr 2,67 Mark. Beim Glas könne er sogar eine Gebührenerhöhung nicht ausschließen.

Auch die Entwicklung neuer umweltverträglicher Verfahren zur Wiederverwertung von so genannten PET-Getränkeverpackungen werde durch das Zwangspfand behindert. Denn sollte das Zwangspfand zu einem Rückgang von eingesammelten PET-Verpackungen führen, lohne sich die Forschung für das Duale System nicht mehr, sagte Brück. Er bezweifelt außerdem, dass sich die Prognose von Umweltminister Trittin bewahrheitet, wonach die Verbraucher durch das Zwangspfand auf Einwegflaschen und Dosen dazu animiert würden, wieder mehr Mehrwegflaschen zu kaufen. Die wichtigsten Handelsverbände hätten zudem schon erklärt, dass sie nicht bereit seien, zwei pfandgestützte Systeme parallel zu betreiben. Auf das bisherige Mehrwegsystem werde der Handel dann eben verzichten.

Zwei gute Nachrichten hatte Brück dann aber doch mitzuteilen. Zum einen habe sich der Konflikt mit der Europäischen Kommission, die die DSD-Gebührenpraxis zum Teil als rechtswidrig, weil monopolistisch, einstufte, gemildert. Die Kommission habe klargestellt, dass Firmen ihre DSD-Lizenzgebühren nicht zurückfordern können, auch wenn sie ihre Flaschen und Dosen selbst entsorgen. Und zum anderen sei die Sammelleidenschaft der Deutschen mit 78,3 Tonnen im Jahr 2000 (1999: 77,7) ungebrochen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben