Kultur : Zwei Biografien über König Hussein von Jordanien

Ralf Balke

Aus besonderem Holz geschnitzt

Wer es hier schafft, derart lange physisch und politisch zu überleben, muss schon aus einem ganz besonderen Holz geschnitzt sein. Deshalb geht von der Figur König Hussein eine solche Faszination aus. Im Westen hat es der jordanische Monarch trotz seiner Parteinahme zu Gunsten Saddam Husseins zu Beginn der Kuwait-Krise geschafft, ein Image als großer Versöhner zwischen Israelis und Arabern aufzubauen. In der arabischen Welt dagegen galt er nicht selten als ein Handlanger amerikanischer und israelischer Interessen.

Trotzdem berührte der Tod des kleinen Königs am 7. Februar 1999 die ganze Welt. Schon wenige Monate später liegen nun die ersten Biografien vor, die sich mit dem Leben und dem politischen Wirken seiner Majestät beschäftigen. Natürlich ist es schwierig, alle Facetten eines Politikers zu erfassen, der als Friedensstifter und zugleich als autoritärer Herrscher auftrat. Aber das, was dabei heraus kam, demonstriert einmal mehr, dass der Titel "Nahostexperte" nicht automatisch ein Gütesiegel ist.

Die Legende vom "Großmufti"

Da gibt es den auf dem deutschen Büchermarkt notorisch präsenten Gerhard Konzelmann, der es zum Meister im Abschreiben seiner eigenen Bücher bringt. "Vermächtnis für den Frieden" enthält nichts Neues und ist zudem eine zusammengeschusterte Biografie, die so schlecht ist, dass selbst die überzeugtesten Feinde des kleinen Königs ihm eine solche Darstellung seines Lebens nicht gewünscht hätten. Wie ungenau und unreflektiert Konzelmann bestimmte Begrifflichkeiten benutzt, zeigt das Beispiel von Hadj Amin El-Husseini, einem Erzfeind der haschemitischen Dynastie und erklärtem Parteigänger des Dritten Reiches. Ihm gaben die Nazis den Titel "Großmufti", eine reine Erfindung Berlins, um ihren Verbündeten aufzuwerten. Kommentarlos übernimmt Konzelmann diese Fantasiebezeichnung so, als wäre "Großmufti" ein gängiger arabischer Titel. Zudem finden sich bei Konzelmann allenthalben Stereotype und Klischees wieder. Ferner stolpert der Leser über Stilblüten.

Anders Roland Dallas, der sich in seinem Buch auf ein breites Spektrum an Quellen stützt und seine Darstellungen sowie Analysen zudem sprachlich überzeugend präsentieren kann. Im Unterschied zu Konzelmann verwebt er die Lebensgeschichte König Husseins in den historischen, politischen und wirtschaftlichen Kontext Naher Osten und schafft es dadurch hervorragend, die Spannungsverhältnisse, in denen sich Jordanien und seine Herrscher immer wieder befanden, zu erfassen und zu erläutern.

Die zwei Seiten des Königs als ein Politiker, der ohne zu zögern Gewalt einsetzt, aber auch zum Friedensengel mutiert, wenn notwendig - genau diese Widersprüchlichkeiten in der Person Husseins kann Dallas erklären, wenn vom "Schwarzen September" 1971 die Rede ist, als der König blutig mit der zum "Staat im Staate" gewordenen PLO Arafats aufräumte, oder als er 1994 offiziell ins Friedenslager überwechselte und seine Verbindungen mit Israel ausbaute.

Modell für die arabische Welt

Besondere Aufmerksamkeit schenkt Dallas dem Umgang des Monarchen mit den islamistischen Fundamentalisten, die anders als in der übrigen arabischen Welt nicht gewaltsam mundtot gemacht werden, sondern in das politische Alltagsgeschäft eingebunden wurden und so viel von ihrer Radikalität abgelegt haben. Die Ansätze des Monarchen, Jordaniens politisches System in so etwas wie eine konstitutionelle Monarchie umzuwandeln, verdienen laut Dallas viel Respekt, da das Wüstenkönigreich damit vielleicht eine Modellfunktion für die gesamte arabische Welt haben kann. Alles in allem: Roland Dallas Buch macht wirklich Spaß zu lesen und weckt das Interesse, sich weiter mit dem Thema Nahost zu beschäftigen.Roland Dallas, König Hussein: Überleben zwischen Krieg und Krisen. Droste Verlag, Düsseldorf 2000. 398 Seiten. 44 DM.Gerhard Konzelmann: Vermächtnis für den Frieden - Hussein von Jordanien. Herbig Verlag, München 1999. 428 Seiten. 49,80 DM.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben