Kultur : Zwei Herzen, ein Füller

F H.

Das neue Jahr begann für Adrienne Goehler heiter: Philharmoniker-Intendant Franz-Xaver Ohnesorg schüttete ein Füllhorn des Dankes über der Berliner Kultursenatorin und ihrer Verwaltung aus. Nachdem sich schon ihr Vorgänger Christoph Stölzl für die Umwandlung des Orchesters von einer "nachgeordneten Einrichtung des Landes Berlin" in eine rechtlich selbstständige Stiftung stark gemacht hatte, wurde der Traum unter Goehlers Ägide in Rekordzeit Realität: Seit dem 1. 1. 2002 stehen die Philharmoniker nicht mehr nur musikalisch als Berlins glänzendste Kultureinrichtung da. Der Jahreswechsel brachte den Musikern nicht nur eine Gehaltserhöhung, sondern auch erstmalig eine Planungssicherheit über vier Jahre. Bis 2005 stehen der Spitzenformation insgesamt 57 Millionen Euro zur Verfügung - kurzfristige Kürzungen des Senats ausgeschlossen. Zusammen mit Claus Peymanns Berliner Ensemble sind die Philharmoniker zudem die einzigen, die künftig noch aus dem Topf der Lotto-Gewinne profitieren: Die restlichen Mittel, mit denen früher viele spannende Kulturprojekte gefördert wurden, wandern nach dem Beschluss der Koalition künftig in den maroden Haushalt.

Die Umwandlung in eine Stiftung begreifen die Philharmoniker auch als Herausforderung: Nach amerikanischem Vorbild will man in den kommenden Jahren so viele Spendenmillionen einwerben, bis sich aus den Zinsen des Kapitalstocks die laufenden Kosten decken lassen. "Ab morgen kommen die Testaments-Aufrufe", kommentierte Adrienne Goehler gutgelaunt das ehrgeizige Ziel. Nach der Unterzeichnungszeremonie - symbolisch teilten die Vertragspartner sich einen Füller - überreichte der Intendant der für ihren exzentrischen Schmuckgeschmack bekannten Senatorin ein Paar Ohrringe, die sein fünfjähriger Sohn gebastelt hatte: natürlich mit Philharmoniker-Logo.

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