Kultur : Zwei Künstler in ihrem Element

Ein Kätzchen in der Hand, den Kopf nach oben gewandt, singt das Mädchen voll Inbrunst: "Sah ein Knab ein Röslein stehn".Die mächtige Holzskulptur "Lied" (1993, 25 000 DM) ist einer Wächterfigur gleich am Eingang der Ausstellung postiert und stimmt auf eine ungewöhnliche Begegnung zwischen dem Bildhauer Hans Scheib und dem Maler Klaus Dennhardt ein, die sich beide die Darstellung der vier Elemente zum Thema gewählt haben.

Feuer, Wasser, Erde und Luft inspirierten Dennhardt zu großformatigen, fast abstrakten Stimmungsbildern, denen Scheib seine dünnen, sperrigen, von wenigen Farbakzenten geprägten Holzfiguren gegenüberstellt.Während Dennhardts flächige Farbkompositionen den Raum gewissermaßen symphonisch zum Klingen bringen, setzt Scheib mit seinen Menschengestalten, die allein oder in Gruppen, statuarisch oder heftig gestikulkierend, auf Boden oder Wand und selbst von der Decke herabhängend in Erscheinung treten, rhytmische und melodische Akzente.

Beide Künstler, ehemals in der DDR lebend und wenige Jahre vor dem Mauerfall nach West-Berlin übergesiedelt, waren einst Studenten der Hochschule für Bildende Künste in Dresden.Doch erst in Berlin haben sie sich näher kennengelernt.Mitte des letzten Jahres haben Scheib und Dennhardt dann ihr Gemeinschaftsprojekt in Angriff genommen.

Zur Darstellung der Elemente enthielt sich Dennhardt fast ganz des Gegenstands: Bildfüllend erscheint die Luft als hellblauer, bewölkter Himmel über dem Tiergarten, die Erde als sanft wogender Acker vor Schwerin (je 22 000 DM), das Feuer als rotgelbe Strudel (10 000 DM) und das feuchte Element als wogendes Wellenmeer bei Porto Mauricio (30 000 DM).

Die expressiven Holzskulpturen von Hans Scheib reichen von ganz klein bis überlebensgroß.Sie greifen kraftvoll in den Raum hinein, den die Element-Bilder des Malers vibrieren lassen.Ihnen locker zugeordnet, nehmen sie das Thema auf neue Weise auf.Nackt oder mit sommerlicher Badekleidung angetan, bewegen sie sich ganz natürlich in den Elementen, die sie berühren, durcheilen oder in sich aufzunehmen scheinen.Die Schwimmerinnen und Schwimmer etwa (bis 20 000 DM) gleiten schwerelos durch die Lüfte, als wären sie Vögel.

Galerie Eva Poll, Lützowplatz 7, bis 30.April; Montag 10-13 Uhr, Dienstag bis Freitag 11-18.30 Uhr, Sonnabend 11-15 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben