• Zwei neue Bände bringen Kindern die Gemäldegalerie und das Musikinstrumenten-Museum näher

Kultur : Zwei neue Bände bringen Kindern die Gemäldegalerie und das Musikinstrumenten-Museum näher

Rolf Brockschmidt

Wie schafft es ein Maler, ein Gespräch mit einem Engel so zu malen, dass man sofort versteht, worum es geht? Wozu waren die vielen Bilder mit biblischen Motiven überhaupt da? Wie malt man einen vorbildhaften Menschen? Fragen über Fragen angesichts der Fülle alter Meister, die die Gemäldegalerie ausstellt. Man kann natürlich die Schönheit dieser Bilder bewundern, aber Kinder kann das unter Umständen schnell langweilen. Sie wollen wissen, was da passiert und warum. Da können Eltern schon ins Schwitzen kommen. Wenn man diese Bilder "lesen" kann, ein wenig die versteckten Bedeutungen kennen lernt, die den Zeitgenossen damals geläufig waren, wenn man den Code knacken kann, dann macht auch ein Besuch in der Gemäldegalerie Spaß.

Genau dieses Wissen vermittelt Cornelia Vossen spielerisch in ihrem gut durchdachten und locker erzählten Museumsführer durch die Gemäldegalerie. Sie lenkt den Blick auf den Engel, die Gestik der dargestellten Personen, aus der sich dann einiges ablesen lässt. Sie erinnert daran, dass in einer Zeit des Analphabetentums die Bilder in den Kirchen wichtige Medien waren, um Inhalte der Bibel zu vermitteln. Und sie zeigt am Beispiel des Heiligen Sebastians, dass Botticelli durch die Körperhaltung Sebastians den Sieg über den Schmerz, den ihm die Römer zugefügt hatten, darstellt.

Anhand von 29 Gemälden, von einem böhmischen Meister um 1350 bis zu Thomas Gainsboroughs "Marsham-Kindern" von 1787 spannt sie den Bogen und führt dabei behutsam durch die Kunstgeschichte, von der Goldgrundmalerei über die Entdeckung der Landschaft, die Einführung der Perspektive und des Porträts. Einen Schwerpunkt bilden die niederländischen Meister, bei denen die Deutung oft an kleinen Dingen hängt, die dem uneingeweihten Beobachter verschlossen bleiben. Zusätzlich zu den Bilderklärungen finden sich kleine Aufgaben für Spürnasen, die entweder im Buch oder im Museum zu lösen sind. Ein Schlüsselwort ist im Text immer farblich hervorgehoben, so dass man gleich weiß, worum es geht. Kurzbiografien der Maler und ein Glossar runden diesen wunderschönen Band ab.

"Die Gemäldegalerie Berlin für Kinder" ist ein Buch, das Kinder wie Eltern begeistern wird. Und Cornelia Vossen weiß, wovon sie spricht. Seit Jahren führt sie Kinder sonntags durch die Gemäldegalerie, kennt daher die Fragen und Probleme der Kinder aus erster Hand. Ein Buch, das man zu Hause lesen kann, aber am besten zum nächsten Museumsbesuch mitnimmt.

Familiäre Flöte

Ein weiteres Buch in der verdienstvollen Reihe "Museum für Kinder" aus dem Nicolai Verlag ist von Dorothee Göbel erschienen. Sie führt durch das Musikinstrumentenmuseum Berlin. Sie macht die Kinder erst einmal darauf aufmerksam, wo und wie Musik in unserem Alltag erklingt. Bei der Musik war es ähnlich wie bei den Gemälden. Konzerte waren den Fürsten und der Kirche vorbehalten, ansonsten war Musik auf Jahrmärkten und Volksfesten zu hören.

Dorothee Göbel präsentiert die Musikinstrumente in Familien, die Streichinstrumente und die Flöten und Pfeifen. Dazu gehören auch Dulzian, Pommer, Rauschpfeife, Zink und Krummhorn. Und wer sich jetzt darunter nichts vorstellen kann - ein Instrument lebt ja nur, wenn es gespielt wird - der legt die CD auf und hört sich das Krummhorn an. Wo es möglich ist und die Instrumente noch gespielt werden können, gibt es im Text einen Verweis auf die CD-Hörprobe. Das gilt auch für die Blechinstrumente, Klaviere und Spieldosen. Das Museum hält hier manche Überraschung bereit. Alle Instrumente sind farbig abgebildet.

Zu tun gibt es auch etwas, kleine Rätsel lockern den oft etwas schweren Stoff auf und machen neugierig. Am Ende der Entwicklung und auch der CD steht die Wurlitzer-Orgel, die ein ganzes Orchester ersetzt. Wer will, kann sich seine kleine Wurlitzer-Orgel aus einem Ausschneide-Bogen im Buch so basteln, dass es als Pop-up funktioniert. Der Führer durch das Musikinstrumentenmuseum inspiriert vielleicht auch nicht nur Kinder, Erwachsene könenn hier ebenso eine Menge entdecken.Cornelia Vossen: Die Gemäldegalerie Berlin. Museum für Kinder. Herausgegeben von Waldtraut Braun. Nicolai Verlag, Berlin 2000. 78 Seiten. 24,80 DM.

Dorothee Göbel: Das Musikinstrumenten-Museum Berlin. Museum für Kinder. Nicolai Verlag, Berlin 2000. 64 Seiten. CD und Bastelbogen. 24,80 DM.

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