Kultur : Zwei Wasser und ein Tee mit den drei Schauspielerinnen

Sie haben vier St,en Probe hinter sich. Macht da

Simone von Zglinicki, Valerie Koch und Claudia Hübbecker spielen in den Kammerspielen des Deutschen Theaters die Hauptrollen in Theresia Walsers "King Kongs Töchter". Premiere: Sonntag, 19.30 Uhr. Das Gespräch führte Christian Schröder.

Sie haben vier Stunden Probe hinter sich. Macht das durstig?

ZGLINICKI: Ja, sehr. Während der Probe stelle ich mir immer stilles Wasser hin. Und nach der Probe leiste ich mir dann Wasser mit Kohlensäure. Zur Belohnung.

KOCH: Ich trinke manchmal schon vor dem Frühstück eine Flasche Vitel-Wasser. Man fühlt sich sportlich, wenn man das trinkt. Die werben ja mit Jan Ullrich.

HÜBBECKER: Aber das Allerbeste ist Rooiboschtee. Ich verbrauche bei jeder Probe eine große Thermoskanne. Von Rooiboschtee wird einem nicht übel, weil da kein Teein drin ist. Macht aber trotzdem wach.

Ihre Rollen in "King Kongs Töchter" haben auch etwas mit Getränken zu tun. Sie spielen Pflegerinnen in einem Altersheim, die von ihren Patientinnen "Kellnerinnen" genannt werden.

KOCH: Wir haben zur Vorbereitung ein Altersheim besucht. Als wir auf den Beginn der Kaffeetafel gewartet haben, hat ein Bewohner tatsächlich gesagt: "Das dauert noch. Die Kellnerinnen müssen noch kommen." Die wollten glauben, nicht im Altersheim, sondern in einem Hotel zu sein. Und davon handelt auch "King Kongs Töchter".

Muss man die Wirklichkeit in einem Altersheim kennen, um so ein Stück zu spielen?

ZGLINICKI: Am Anfang der Arbeit sammelt man Eindrücke, später ist es nicht mehr nötig, ganz konkret Bescheid zu wissen. Das Stück ist ja auch absurd: Die Pflegerinnen träumen, dass in den Betten Rock Hudson und Mae West liegen.

KOCH: Im Altersheim wird den Menschen ihre Privatheit genommen. Das haben wir bei unserem Besuch gesehen: Da werden 10, 15 Leute in eine Gruppe hineingewürfelt, die das aushalten müssen, obwohl sie sich vielleicht gar nicht verstehen.

Eine Situation, die ans Theater erinnert: 15 Menschen in einem Raum, die etwas miteinander anstellen müssen.

ZGLINICKI: Ein furchtbarer Vergleich! Theater ist zwar Teamwork, behauptet aber die Individualität jedes Einzelnen. Nur so ist die Arbeit in der Gruppe zu ertragen. Im Altersheim wird hingegen die Individualität verleugnet und verhindert. Ein grauslicher Vorgang.

Altersheime sind Wartesäle, in denen die Insassen dem Sterben entgegendämmern.

"Der Tod ist ein Termin", heißt es in dem Stück, "und wir sind die Chefdisponentinnen." Was überwiegt: der Grusel oder das Groteske?

HÜBBECKER: Keines von beiden. Das Beste wäre, dass man als

Zuschauer zwischen dem Lachen und dem Erschrecken schwankt.

ZGLINICKI: Schön wäre auch ein Verständnis. Und zwar ein Verständnis für alle auf der Szene: für die Alten, die entmündigt werden, aber auch für die Schwestern, die in Scheinwelten flüchten, weil die Realität so bedrückend ist.

Das Lachen ist auch eine Flucht: Flucht vor der eigenen Angst vor dem Altwerden.

HÜBBECKER: Es ist ein gruseliges Thema, und jeder verleugnet es. Deshalb ist "King Kongs Töcher" ein wichtiges Stück: Weil es etwas behandelt, das jeden beschäftigen sollte.

Vorbild für die "Seniorendompteusen" in Theresia Walsers Stück waren die österreichischen Altenpflegerinnen, die ihre Patienten vergiftet haben. Entdeckt man die dunklen Seiten in sich, wenn man das spielt?

KOCH: Ich hatte am Anfang wirklich Angst vor einer Szene, in der ich einem Patienten das Gebiss rausnehmen muss. Das ist einfach sehr entwürdigend, einem Anderen das Gebiss herauszunehmen, der danach nicht mehr richtig sprechen kann. Und man darf das natürlich nicht so spielen, dass einem der Andere Leid tut.

ZGLINICKI: Eine Gratwanderung: Es kommt darauf an, eine Sache nicht zu verlachen, aber sie muss komisch sein.

Komik ist also in diesem Fall eine besonders ernste Angelegenheit?

HÜBBECKER: Das ist eine teure Produktion geworden. Man muss sich ständig Klamotten kaufen oder essen gehen. Als Trost.

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