Kultur : Zwei X für ein U

ANDREA JULIETTE GROTE

Nicht alles, was aus Amerika kommt, ist nachahmenswert.Manche Ideen aber sind so gut, daß man sie getrost auch in Deutschland aufgreifen kann.Das dachte sich vor einem Jahr auch die Zeichnerin Evelin Höhne, als sie dort Comics entdeckte, die von Frauen für Frauen gemacht werden.Sie konnte ihre Kollegin Lillian Mousli und die Macher vom Kreuzberger Verlag "Jochen Enterprises" für die Idee begeistern, so etwas auch in Deutschland zu produzieren.

Schon auf den ersten Comicseiten wird deutlich, daß es keine Männerfresser-Geschichten sind, die da erzählt werden."Es sind Themen, die Frauen interessieren.Weniger Krieg und Kampf als üblich", erklärt die Berliner Zeichnerin Lillian Mousli.Dafür mehr Fantasie und Gefühle, auch wenn die manchmal sehr hart seien."Das Tolle am Comic ist, daß man Geschichten erzählen kann," erzählt Mousli begeistert.Wie beim Film müsse man auf Lichteinstellung, Szenenwechsel und Schnitt achten.

Evelin Höhne und Lillian Mousli verteilten vor einem halben Jahr auf der Erlangener Comic-Messe Handzettel, um interessierte Zeichnerinnen zu gewinnen.Sie wollen Frauen ein neues Forum bieten."Unser Heft sollte so vielfältig wie ein bunter Hund werden," erklärt Evelin Höhne.Denn meist lesen und produzieren Männer Comics."Und dies wollten wir ändern", erzählt Mousli, eine der beiden Herausgeberinnen des ersten Bandes mit dem Titel "Fräuleinwunder".Nach der Messe hatten die beiden Frauen so viele Zusendungen von witzigen und tiefsinnigen Comics, daß sie noch weitere Hefte füllen können.Am Donnerstag wird in der Flittchenbar der erste Band "Fräuleinwunder" aus der geplanten Reihe XX vorgestellt."Das doppelte X steht für die Struktur weiblicher Chromosomen," erklärt Evelin Höhne den Titel der Serie.

Die erzählten Geschichten sind so unterschiedlich wie der Stil der Zeichnungen.Die blumigen, musterbetonten Bilder von Anke Hellmich erzählen von der kuriosen Wandlung eines grauen Mäuschens zu einer gestylten Partybiene.Sie trifft in einer Bar eine Freundin, die an einer Wimper, die ins Bier gefallen ist, stirbt.Isabel Kreitz erhielt für ihre eher poppigen Zeichnungen, die eine Mischung aus Batwoman und deutscher Polizistengeschichte sind, den begehrten Preis für den besten deutschen Comic."Es ist lange her, daß eine Frau den Preis bekommen hat," berichtet Lillian Mousli.Interessant ist auch der mehrseitige Beitrag von Kat Menschik: Sehnsuchtvoll wartet eine Frau auf ihren Geliebten, und die abgeschnittenen Gliedmaßen kontrastieren mit der poetischen Sprache der Zeichnerin.In jedem neuen Heft wird auch ein Gastcomiczeichner, diesmal Jim Avignon, vorgestellt.

Premiere für das Frauen-Comic "XX-Fräuleinwunder": Mittwoch, 20 Uhr, Flittchenbar in der Maria am Ostbahnhof

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