Kultur : Zweimal zwei ist mehr als vier

KLASSIK

Carsten Niemann

Sie sind keine Zwillinge, sehen sich nicht ähnlich und müssen sich doch anhören können, als wären sie es: Denn das Spiel zu je zwei Händen auf zwei Klavieren oder vierhändig auf einem, wie es Andreas Grau und Götz Schumacher praktizieren, erfordert auch die Fähigkeit zum permanenten Rollentausch. Nirgendwo war dieses klangliche Vexierspiel schöner zu verfolgen als in Johann Sebastian Bachs C-Dur-Konzert BWV 1061 für zwei Klaviere, mit dem das Duo am vergangenen Sonntag eine eigene siebenteilige neue Reihe im kleinen Saal des Berliner Konzerthauses eröffnete: Hier zeigte sich der von konventionellen Klavierabenden abweichende Reiz der Kombination am deutlichsten.

Die intensivsten Wirkungen erzeugten Grau und Schumacher, wenn sie sich in kurzem Abstand „ins Wort“ zu fallen hatten – nicht nur auftrumpfend, sondern auch die gegenseitigen Standpunkte durch beherrschtes Insistieren oder klangfarbenreiches Argumentieren verteidigend. Als lebte das Spiel der beiden von dem Impuls der Wechselrede, fiel die Spannung bei Passagen, die in parallel perlenden Spielfiguren angelegt waren, ein wenig ab. Und trotz so hinreißender Klangeffekte wie dem Nachahmen eines Orgelregisters in György Kurtágs Bach-Transkriptionen schien sich die leichte Nervosität, die anfangs über dem Spiel des Duos lag, erst im Rausch von Ferrucio Busonis monumentaler Fantasia contrappuntistica zu verflüchtigen.

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