Kultur : Zweite Chance

Das Auktionshaus Ketterer kehrt nach Berlin zurück

Michaela Nolte

Vor vier Jahren hatte das Auktionshaus Ketterer seine Koffer in Berlin quasi über Nacht wieder eingepackt. Nun startet das Münchener Traditionshaus mit Zweigstelle in Hamburg einen zweiten Anlauf, den Kunstmarkt in und aus der Hauptstadt zu erobern. Robert Ketterer, seit 1994 Geschäftsführer und Nachfolger des 2002 verstorbenen Gründers Roman Norbert Ketterer, will die Dependance an der Spree jedoch vornehmlich zur Präsentation nutzen. „Auktionen werden wir in Berlin in absehbarer Zeit auf keinen Fall veranstalten; damit bleiben wir in unseren angestammten Häusern“, so Ketterer. Nicht zuletzt die Erfahrungen des ersten Berlin-Auftritts mögen den Auktionator heute behutsam agieren lassen.

1997 war man mit einer Repräsentanz am Kurfürstendamm und Auktionen zur Gegenwartskunst in der Dresdner Bank am Pariser Platz gestartet. Doch der Markt für jüngere Kunst steckte noch in den Kinderschuhen und das Ketterer-Angebot blieb weitgehend mittelmäßig. 2002 verlegte man die Herbstauktion kurzerhand nach Hamburg und zog sich zurück. Mit einem neuen Konzept setzt Ketterer nun zuversichtlich auf ein langfristiges Engagement. Dem Genius Loci bleibt er treu: „Die Gegend um den Kurfürstendamm passt zu uns, und die Fasanenstraße hat sich zur interessanten Galeriestraße entwickelt.“ Dort werden die neuen Räume am 24. November mit der Vorbesichtigung zu den Münchener Auktionen Modern Art und Post War (5. Dezember) eingeweiht. Werke von Max Liebermann bis Gerhard Richter, Martin Kippenberger und Neo Rauch sind ebenso im Programm wie russische Kunst und Seitenwege der deutschen Avantgarde.

Über das Jahr soll das 150 Quadratmeter große Ladenlokal als Galerie für Kunst ab 1960 dienen. Geplant sind Ausstellungen von Tom Wesselmann und David Hockney, zur Pop-Art oder zur italienischen Kunst. Zudem soll der Bereich „Art Services“ ausgebaut werden, der Kunden beim Aufbau und der Pflege von Sammlungen sowie bei der Nachlassverwertung berät. Neben der touristischen Attraktivität Berlins sieht Ketterer im pulsierenden Markt für zeitgenössische Kunst, aber auch in der Nähe zum Wachstumsmarkt Osteuropa wichtige Impulse. Befürchtungen, dass es in Nachbarschaft zum Auktionshaus Villa Grisebach zu Konflikten kommen könne, weist Ketterer von sich: „Im Gegenteil, ich hoffe auf gegenseitige Befruchtungen. Bernd Schultz von der Villa Grisebach hat mir bereits per E-Mail gratuliert und begrüßt es, dass wir den Standort Berlin bestätigen.“

Ketterer Kunst Berlin, Fasanenstraße 70; Vorbesichtigung: 24. bis 28. November, Freitag und Montag 11-18 Uhr, Sonnabend und Sonntag 11-16 Uhr, Dienstag 11-17 Uhr.

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