Kultur : Zwischen den Stühlen tanzen

Neues Design, neues Programm: Bei der 38. Art Cologne soll alles besser werden

Magdalena Kröner

Die 38. Ausgabe des ehemaligen Kölner Kunstmarktes, der in diesem Jahr vom 27. Oktober bis zum 1. November stattfindet, ist nicht nur eine Messe: Sie ist die „38th International Fair for Modern and Contemporary Art“ und die erste Messe, die Hoffnungsträger Gérard Goodrow als neuer Direktor verantwortet. „Alles neu“ scheint auch das Motto der nun statt wie zuletzt mit „Art Pole of the World“ etwas glücklicher mit „New Art“ umschriebenen Messe zu sein. Das neue Corporate Design, gestaltet vom Werber und Sammler Christian Boros, gibt sich ebenso zeitgemäß und aufgeräumt wie die Messehallen und Lounges, in denen 250 Galerien aus 20 Ländern auf geschätzte 70000 Besucher warten werden.

Ein Auslandsanteil von 45 Prozent, darunter erstmals auch eine chinesische Galerie, soll helfen, die Messe als Schaufenster internationaler Kunst auch für Sammler aus dem Ausland attraktiv zu gestalten. Gerade im Blick auf eine durch die Messen in Berlin, Paris und London verschärfte Konkurrenz im Oktober hält Goodrow eine Internationalisierung der Kölner Traditionsmesse für unabdingbar. Ob seine Einschätzung der auch in ihrem zweiten Jahr äußerst erfolgreich gelaufenen Londoner Frieze Art Fair als „vorübergehende Modeerscheinung“ zutreffend ist, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

Vorsorglich wurde in Köln das übliche Angebot von zeitgenössischer Kunst und klassischer Moderne, dass sich zum letzten Mal in den Rheinhallen präsentiert, durch zahlreiche Sonderschauen und Events gerade im Bereich junger Kunst aufgelockert. Neben den üblichen Fördergalerien, die nun als „New Talents“ junge Künstler vorstellen, werden erstmals in diesem Jahr 20 ausgesuchte Galerien als „New Contemporaries“ im Obergeschoss gebündelt. Zusätzlich präsentiert das Ausstellungsprojekt „Pollenflug“ ausgewählte Arbeiten aus jungen rheinischen Privatsammlungen – ein Novum, das der komplexen Sammlerstruktur des Rheinlandes Rechnung trägt.

Gezielt an junge Sammler, oder solche, die es werden wollen, wenden sich die „Young Collectors“-Lounge und ein Symposium, das am 26. Oktober unter dem Titel „New Meanings of Art Philantrophy“ den Themenkomplex Sammlung fokussiert. Ob hingegen der Einsatz einer ehemaligen Bravo-TV-Moderatorin den gewünschten Effekt der „weiten Öffnung hin auf eine junge Generation“ bewirkt, darf bezweifelt werden. Ein international besetztes DJ-Pult am Eröffnungsabend bei einer Modenschau und anschließender Aftershowparty in der Halle 5 verspricht hingegen durchaus Szeneflair.

Auf Initiative der Kölner Kulturagentur Neumann+Luz Projects finden in diesem Jahr zudem erstmals die „rheinschau. art cologne projects“ statt. Angelehnt an die Kunstprojekte der Baseler Messe, „Art Unlimited“, finden sich38 internationale Galerien am gegenüberliegenden Rheinufer zusammen, um Künstlerprojekte im Gebäude der ehemaligen Königlichen Eisenbahndirektion zu präsentieren. Im zukünftigen RheinForum am Konrad-Adenauer-Ufer 3 präsentieren neben Kölner Galerien wie Daniel Buchholz auch Sadie Coles aus London, Giti Nourbakhsch aus Berlin und weitere eine Auswahl junger Kunst.

Es dürfte spannend werden, wie Gérard Goodrow der Spagat zwischen Newcomern und Etablierten gelingt. Die Neupositionierung einer Messe ist keine leichte Aufgabe. Sie gleicht im Fall Kölns einem Tanz zwischen allen Stühlen: zwischen einem durch internationale Konkurrenz von Außen und Überalterung im Inneren erzwungenen Aufbruch und den alten Gewohnheiten einer mächtigen Messe-GmbH.

Art Cologne, Rheinhallen, 28. Oktober bis 1. November , täglich von 12 bis 20 Uhr. Vernissage: Mittwoch, 27. Oktober von 17 bis 21 Uhr. Weitere Informationen im Internet unter www.artcologne.de

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