Kultur : Zwischen Hebbelstraße und Ukraine Filmfest und Stadtdinner beim Localize-Festival

Astrid Priebs-Tröger

Strandkörbe, Grill und Sonnenbadende vor dem Filmmuseum – nichts deutete am frühen Donnerstagabend darauf hin, dass wenig später ein internationaler Kurzfilmwettbewerb im Rahmen des diesjährigen 3. Heimatfestivals „Localize“ stattfinden würde. Doch schon an der Tür zum Kino änderte sich das Bild: rund 50 Versandtaschen mit Absendern aus Salzburg, München oder Leipzig waren dort angepinnt, doppelt so viele Einsender hatten Kurzfilme zum Thema „Heimat“ geschickt. Ab 19 Uhr sahen die Besucher im vollbesetzten Filmmuseum neun Beiträge, die in die Endauswahl gekommen waren. Davor stimmten Anja Engel und Christian Näthe auf die kommenden drei Stunden ein und kündigten als Novum des Wettbewerbes die Vergabe eines Publikumspreises an.

Die Filme hätten unterschiedlicher kaum sein können. Das inhaltliche Spektrum reichte von Obdachlosigkeit über Computer-Spielsucht bis hin zu blinden Musikern oder einer tierischen Gemeinschaft auf einem Mobilé, auf dem die Plätze neu verteilt werden. Da musste man als Zuschauer sehr schnell umschalten, was dadurch erschwert wurde, dass die Beiträge nahtlos aneinandergereiht waren.

Die Jury um Professor Heiko Christians von der Uni Potsdam, Karla Kniestädt vom rbb und der Video- und Installationskünstlerin Meggie Schneider kürte den skurril-tiefgründigen Spielfilm „Ich bin’s Helmut“ von Anna-Luise Dietzel zum Sieger, gefolgt von der Berliner Obdachlosen-Dokumentation „Steppenwölfe“ von Daniel Sager sowie der Dokumentation über blinde Musiker und ihre Träume „Musik und ein bisschen Melone“ von Korbinian Dufter. Dieser Film erhielt auch den Publikumspreis.

Obwohl alle prämierten Beiträge sowohl inhaltlich als auch künstlerisch überzeugten, blieb das Gefühl, dass man Äpfel mit Birnen nicht vergleichen sollte. Denn auch die Animationsfilme behandelten das Thema Heimat und soziale Beziehungen auf wunderbar eindringliche und poetisch-märchenhafte Art. Das müssen wohl auch die studentischen Jury-Vertreter des Localize-Teams gespürt haben. Sie vergaben kurzerhand einen Sonderpreis für den originellen Animationsfilm „Marivanna“ der Ukrainerin Olga Petrowa, die darin mit unzähligen Kreuzstichen und wenigen Worten das Leben ihrer Urgroßmutter berührend und dicht erzählte.

Nicht vorrangig um Wettbewerb sondern um Kochkunst und Essgemeinschaften ging es bei dem stadtweiten Dinner „Auf Haxe“, das am Samstagabend erstmalig in Potsdam stattfand. Philipp Günther und Johannes Groß, Studenten der Europäischen Medienwissenschaft in Potsdam, hatten die Idee, Menschen durch gemeinsames Kochen und Essen zusammenzubringen. Wie viele sich genau getroffen haben, konnten die Organisatoren jedoch nicht genau feststellen; angesichts der Konkurrenz durch Fußball-WM und Joe Cocker-Konzert blieb man wohl im zweistelligen Bereich.

Allerdings tafelten die, die sich trafen, sommerlich international. So kochte Philipp Günther mit fünf anderen Teilnehmern als Vorspeise auf der Freundschaftsinsel Mangos mit Mozzarella und Chili sowie Guacamole mit Möhren, als Hauptgang in der Hebbelstraße mexikanische Fachitas mit herzhaften Füllungen und ab 22.15 Uhr auf dem Bassinplatz Obstsalat mit Eis. Astrid Priebs-Tröger

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