Kultur : Zwischen Porno und Politik

Köln zeigt die erste Einzelausstellung des rheinischen Künstlers Hans-Peter Feldmann

Uta M. Reindl

Was dem einen süffisante Kritik am Kunstbetrieb, ist dem anderen Provokation. So im Museum Ludwig in Köln angesichts der angepinnten Kopien Hans-Peter Feldmanns von Pressefotos, Amateuraufnahmen und Billig-Reproduktionen für Wohnungen im Gelsenkirchener Barock. „Was soll hier Kunst sein?“, protestierte eine Besucherin und bestätigte ungewollt die Ästhetik Feldmanns, dem es um die Erschließung neuer Horizonte über die Wiedererkennung hinaus geht. Mit seinen Sammlungen von unspektakulären, privaten wie öffentlichen Bildern machte sich der 1941 Geborene seit den Sechzigerjahren einen Namen. In den Achtzigern zog er sich für einige Zeit aus der Kunstwelt zurück, wurde ab Mitte der Neunziger zu einer Kultfigur besonders der jüngeren Konzeptkunst-Generation.

Das Miefig-Piefige des kleinbürgerlichen Lebens(t)raumes zwischen Rühmann, Gipsfiguren und den gefundenen Porno-Fotos aus dem Familienalbum bestimmt die Bebilderungen Feldmanns. Sie ironisieren diskret, dem Betrachter werden augenzwinkernd emotionale Déjà-Vu-Erlebnisse geboten. Gleichzeitig wird die Kunst sanft vom Sockel geschoben. Der Kölner Rundgang beginnt mit dem Zyklus „Die Toten“ (1967 -1993), der Printmedien-Porträts von Todesopfern auf beiden Seiten des Terrorismus zeigt – in einer exakt gehängten Installation auf grau gestrichenen Wänden.

Sind Ortsbezüge für Feldmann stets bedeutsam, so scheinen in den letzten Jahren mehr oder minder ironische Verweise auf das Werk von Künstlerkollegen zuzunehmen. Seine erste großformatige Fotografie produzierte Feldmann zur Kölner Ausstellung. Sie zeigt die Privat-Bibliothek des Künstlers, in der „sich Zehntausende von Bildern verstecken“. Doch will die aufgeblasene Schwarz-Weiß-Aufnahme vor allem auf die aktuellen Fotostars der überdimensionierten Hochglanzfotografie aus Düsseldorf anspielen. Und wem fällt nicht Gerhard Richter ein, wenn Feldmann fotografierte Porträts aller Parlamentarier des deutschen Bundestags auf einer Wand versammelt?

Museum Ludwig Köln, bis 15.6.

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