Kultur : Zwitscherpop

Das Album „The Sparrow“ von Lawrence Arabia.

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Foto: Amelia Handscomb
Foto: Amelia Handscomb

„Lawrence von Arabien“, wir erinnern uns, war Peter O’Toole, der in einem Monumentalfilm als britischer Offizier unter einem Beduinentuch die arabischen Völker im Ersten Weltkrieg zum Kampf gegen die Türken und Deutschen anstachelte. Lawrence Arabia ist nun ein junger Neuseeländer um die 30 namens James Milne. Sich dieses Pseudonym ausgesucht zu haben, sagt er, sei ein „Moment der Schwäche“ gewesen. Er wollte ein aufbrausendes Alter Ego, und die Band The Reduction Agents, bei der er damals, vor zehn Jahren, spielte, hatte wesentlich wilder begonnen, als sie schließlich endete.

Gerade ist das dritte Album von Lawrence Arabia erschienen, das zu Recht „The Sparrow“ heißt, der Spatz. Denn es handelt sich um erlesensten Neo-Sixties-Pop, hier wird gezwitschert statt geschrien. Milne ist ein vom Sound besessener Perfektionist, der seine Platte „Chant Darling“ 2009 als „Ein-Mann-Band“ komplett selbst eingespielt hatte. Die Songs für „The Sparrow“ schrieb er im Jahr 2010, als er mit seiner neuen Band The Prime Ministers unterwegs war. Aufgenommen hat er sie mit zwei Freunden im englischen Surrey und in einem Studio im neuseeländischen Auckland.

Auf „The Listening Time“ finden sich beatleeske Streicherarrangements, die indische Melodieführung von „Early Kneecappings“ lässt an die Zombies denken, „Bicycle Riding“ ruft die schläfrige Psychedelik von Syd Barretts Klassiker „Bike“ auf. Wohin solle er noch radeln, fragt der Dandy Milne in zerdehntem Gesang. Er habe doch schon alles gesehen. Schöner ist die Attitüde von Langeweile und Lebensüberdruss lange nicht vertont worden. Eines der herrlichsten Alben dieses Sommers. Christian Schröder

„The Sparrow“ ist bei Bella Union/Cooperative Music erschienen.

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