Kulturelle Expansion : Auf nach Abu Dhabi

Der Dresdner Museumsexperte Martin Roth wirbt für eine Kooperation deutscher Museen im Ausland. Er wünscht sich eine deutsch-arabische Zusammenarbeit nach dem Vorbild des Pariser Louvre in Abu Dhabi.

Jörg Schurig[dpa]

DresdenDie deutschen Museen brauchen nach Ansicht des Dresdner Sammlungschefs Martin Roth weitreichende Kooperationen mit finanzstarken Partnern im Ausland. "Wer glaubt, er würde damit die eigene Identität verkaufen, hat wohl ein mangelndes Selbstbewusstsein", sagte Roth. Damit bezog er sich auf Kritik auch aus Deutschland am Plan des Pariser Louvre, künftig in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate/VAE) eine Filiale zu eröffnen.

Frankreich erhält als Lizenzgebühr für die Verwendung des Namens und wechselnde Leihgaben von Kunstwerken rund 700 Millionen Euro. "Natürlich unterstütze ich solche Pläne", erklärte Roth. Gemeinsam mit Kollegen aus mehreren deutschen Museen will er im November in die VAE reisen, um Möglichkeiten für eine Kooperation auszuloten. "Das wirklich Interessante in Abu Dhabi, Dubai und einigen anderen Emiraten ist doch die Tatsache, dass eine Weltbevölkerung in diesen Städten wohnt und diese Bevölkerung eine Weltkultur verdient - unabhängig von all den Touristen, die in Anbetracht der gigantischen Planungen kommen werden." Roth bezog sich dabei auf den ehrgeizigen Plan, vor der Küste Abu Dhabis, eine "Kulturinsel" mit dem Louvre, dem weltgrößten Guggenheim-Museum und anderen Einrichtungen zu bauen.

Der international anerkannte Museumsexperte sieht eine Kooperation mit Museen in der arabischen Welt auch als Beitrag für ein friedliches Miteinander der Kulturen. "Ich würde sogar dringend empfehlen, uns nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell in dieser Ländern zu engagieren. Man versteht dort nicht, weshalb sich Deutschland so ablehnend gegenüber dem Islam generell verhält, anstatt die Nähe zu den pro-westlichen Kräften zu suchen und den moderaten Islam zu unterstützen. Hier sehe ich absolut die Aufgabe der Kultur und engagiere mich auch gerne." Deutschland könne einiges an Auseinandersetzung mit dem Fremden in der Kultur vertragen.