Der Tagesspiegel : Kulturministerin in Brandenburg: CDU will Johanna Wanka küren

Michael Mara[Thorsten Metzner]

Die Rektorin der Fachhochschule Merseburg, Johanna Wanka, soll Nachfolgerin des zurückgetretenen Kulturministers Wolfgang Hackel werden. Das erfuhr der Tagesspiegel am Mittwoch aus zuverlässiger Quelle. CDU-Landeschef Jörg Schönbohm reagierte auf Anfrage verärgert "über diese Indiskretion". Offenbar solle dadurch Unruhe gestiftet werden. Er bestätigte jedoch, dass er der 49-jährigen sachsen-anhaltinischen Hochschulpolitikerin ein entsprechendes Angebot unterbreitet habe, wies aber ausdrücklich darauf hin, dass noch keine endgültige Zusage vorliege. Wanka müsse noch Dinge klären, ein Wechsel nach Potsdam sei für sie ein wichtiger Einschnitt in ihr Leben. Nach Tagesspiegel-Informationen soll Ministerpräsident Manfred Stolpe bereits Zustimmung signalisiert haben. Die Staatskanzlei erklärte, Stolpe und Schönbohm hätten in den letzten Tagen Gespräche mit mehreren Kandidaten, darunter Wanka, geführt. Eine definitive Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen.

Die Merseburger Rektorin, die im Februar zum dritten Mal in Folge in dieses Amt gewählt wurde, ist auch in Brandenburg kein unbeschriebenes Blatt: Sie gehört dem hiesigen Landeshochschulrat seit Sommer 1999 an. In Sachsen-Anhalt gehörte Wanka, die das Neue Forum mitbegründete, zum Schattenkabinett des CDU-Spitzenkandidaten bei der letzten Landtagswahl, Christoph Bergner. Sie war für das Ressort Wissenschaft und Innovation vorgesehen. Vier Jahre zuvor hatte ihr die rot-grüne Landesregierug ebenfalls Avancen gemacht: Wanka lehnte damals ab, sie sei noch nicht soweit. 1998 trat die vorher Parteilose der CDU bei. Die Rektorin ist Mitglied der HochschulRektorenkonferenz. Nach einem Mathematik-Studium an der Universität Leipzig begann die in Rosenfeld/Sachsen Geborene ihre wissenschaftliche Karriere an der Fachhochschule Merseburg.

Wanka, die gestern nicht zu sprechen war, bezeichnet sich selbst als "sehr streitbar". So kritisierte sie Mittel-Kürzungen durch die rot-rote Hochschulpolitik in Sachsen-Anhalt: Sie seien um so bedenklicher, als es keine Gesamtzielstellung für die Hochschulen des Landes gebe. Es sei wichtig, den Hochschulen eine große Linie vorzugeben, innerhalb derer sie selbst kreativ agieren könnten. In einem Interview wird sie mit den Worten zitiert, dass sie auch in Zeiten knapper finanzieller Mittel "Spaß an Hochschulpolitik und an der Arbeit in Gremien" habe. Der Kultusminister von Sachsen-Anhalt, der frühere brandenburgische Bildungs-Staatssekretär Gerd Harms, wollte zum möglichen Weggang der Rektorin - die Personalie war ihm offenbar schon bekannt - keine Stellungnahme abgeben.

CDU-Landeschef Jörg Schönbohm hatte zunächst den Landtags-Vizepräsidenten Martin Habermann favorisiert, der ihm jedoch aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen eine Absage gab. Auch die Chefin der Landtagsfraktion, Beate Blechinger, und der Vize-Landesvorsitzende Ulrich Junghanns waren im Gespräch, sind jedoch inzwischen aus dem Rennen. Aus der CDU wird unterdessen Kritik an der Art und Weise der Ministersuche laut, die sich vor allem gegen Landeschef Schönbohm richtet.

Für einen Eklat sorgte der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Sven Petke, der vor Journalisten geklagt hatte, "aufgrund von Äußerungen unserer Spitzen" täglich in den Zeitungen zu lesen, "dass wir nur Flaschen haben". Wegen dieser Äußerungen, die als Angriff auf Schönbohm und die Fraktionschefin Blechinger aufgefasst werden, muss der 32-jährige Petke dem Vernehmen nach mit dem Verlust seines Postens als innenpolitischer Sprecher rechnen. Petke ist mit der 27-jährigen Bundestagsabgeordneten Katharina Reiche verheiratet, die ebenfalls als Hackel-Nachfolgerin ins Gespräch gebracht wurde. Schönbohm wie auch Blechinger hatten jedoch zu verstehen gegeben, dass Reiche zwar talentiert, aber noch zu jung für dieses Amt sei. Schönbohm sagte zu Petkes öffentlicher Kritik: "Ich kann ihm nur raten, das klarzustellen." Auch junge Nachwuchstalente dürften nicht auf Narrenfreiheit setzen.

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