Der Tagesspiegel : Kummer ums Korn

Wegen der langen Dürre fiel die Getreide-Ernte um 40 Prozent geringer aus als üblich – in manchen Gebieten wurde nur ein Fünftel eingebracht

Claus-Dieter Steyer

Potsdam. Die jetzt fast abgeschlossene Getreideernte 2003 wird als eine der schlechtesten in die Geschichte Brandenburgs eingehen. Wegen der teilweise schon seit Monaten anhaltenden Trockenheit lag der Ertrag um circa 40 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Allerdings schwankte das Ergebnis in den einzelnen Regionen erheblich. Während die Bauern in den südöstlich Berlins gelegenen Gebieten und in der Uckermark im Schnitt nur 20 Prozent der üblichen Erntemenge einfuhren, waren es in anderen Landkreisen im Osten sowie im Nordwesten bis zu 80 Prozent. In den besonders von der Dürre betroffenen Betrieben schließt der Hauptgeschäftsführer des Brandenburger Bauernverbandes, Wolfgang Scherfke, Entlassungen nicht aus. Auch Tierbestände müssten womöglich wegen Futtermangels verringert werden.

Wie stark die Bauern vom regelmäßigen Regen gerade in Brandenburg abhängig sind, erklärte kürzlich Landwirt Ferdinand von Lochow aus Petkus im Landkreis Teltow-Fläming: „Auf den schlechten Brandenburger Böden kommt eine Getreidepflanze 17 Tage ohne Regen aus, auf den guten Böden in der Magdeburger Börde kann es schon einmal 40 Tage keinen Regen geben, ohne dass alles kaputt geht. Die „Bodenwertzahlen“ – die neben mineralischen Gehaltsstoffen auch die Wasserhaltigkeit des Bodens angeben – liegen für Brandenburg zwischen 12 und 27 – während sie in der Magdeburger Börde bis zu 100 beträgt. Einer Faustregel von Agrarwissenschaftlern zufolge eignen sich Böden von einer Wertzahl unter 30 nur für die Forstwirtschaft. Lediglich mit starker Bewässerung und Düngemitteln lassen sich die Defizite ausgleichen. Doch Wasser steht den Brandenburger Bauern längst nicht mehr in der gewünschten Menge und vor allem nicht mehr zu dem niedrigen Preis der DDR zur Verfügung. Und viele Brandenburger Bauern müssen jetzt schon das zweite oder sogar dritte Jahr unter schwierigen Bedingungen klarkommen, denn auch 2001 und 2002 lag die Niederschlagsmenge schon unter dem Durchschnitt.

Nun fordern die Bauern finanzielle Hilfe für erlittene Verluste, um beispielsweise zusätzliches Viehfutter kaufen zu können. Auf den Wiesen hatte die erste Mahd nur die Hälfte der üblichen Heumenge gebracht, die zweite und dritte fielen ganz aus. Das Brandenburger Finanzministerium hat bereits beschlossen, den betroffenen Landwirten die Steuern zu stunden und Vollstreckungsmaßnahmen bis Ende des Jahres hinauszuschieben. Auch andere Steuererleichterungen sollen die Existenzen sichern. Das Bundeslandwirtschaftsministerium sicherte ebenfalls Hilfe zu, will aber erst nach Vorliegen der endgültigen Ernteergebnisse reagieren.

Keine Alarmglocken klingen dagegen für die Fischer im Land. „Unsere Karpfen fühlen sich bei 25 bis 30 Grad in den Teichen wohl“, versicherte Wilfried Donath, Geschäftsführer der Peitzer Edelfisch GmbH, auf dem Fischerfest des Ortes bei Cottbus. Allerdings fehlen derzeit wegen der Trockenheit in den meisten Teichen rund 20 Zentimeter an den normalen Höhen.

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