Der Tagesspiegel : Kummerower Hof: Hopfen und Malz als Badesalz

Maria Neuendorff

Wenn Susanne Taschner im Kummerower Hof Bier zapft, schäumt es ganz besonders: Sechs Liter Schwarzbier braucht sie für ihr Bierbad - die Spezialität des Landhotels acht Kilometer südlich von Frankfurt / Oder. Vor drei Jahren hat die Physiotherapeutin Taschner den Hof mitten im Landschaftsschutzgebiet Dorchetal eröffnet. Auf die Idee mit dem Bierbad kam sie 1997 durch einen ZDF-Bericht über den Schwarzbierstreit.

Da das heimische Schwarzbier in der Klosterbrauerei Neuzelle mit Raffinade veredelt wird, darf es nach dem deutschen Reinheitsgebot nicht "Bier" genannt werden. Ein Redakteur der ZDF-Sendung "Frontal" machte vor diesem Hintergrund den Vorschlag, den Chef der Neuzeller Klosterbrauerei, Helmut Fritsche, in der Badewanne zu befragen. Das sei originell und verhindere, dass die Wogen allzu hoch gingen. "Nach dem Interview haben wir uns beide plötzlich so gut gefühlt", erinnert sich Fritsche an seinen ersten Auftritt im Biertrog. Und so wurde - zusammen mit Apothekern und Heilpraktikern - das Badebier entwickelt. Das inzwischen patentgeschützte Erzeugnis ist sowohl zur inneren, wie auch zur äußeren Anwendung geeignet. Im August 1997 eröffneten die Taschners dann das - in Europa in dieser Form einmalige - Bierbad.

Wie in der Kneipe, so entsteht auch im Bierbad eine ordentliche "Blume". Sobald man allerdings tief im Schaum versinkt, zerfällt sie. Die kleinen Kohlensäurebläschen zerplatzen aber weiter auf der Haut. Kohlendioxid und Stickstoffgase verursachen ein angenehmes Körpergefühl - auch ohne den tiefen Schluck aus der Wanne.

Auf größere Werbeaktionen verzichtet der Kummerower Hof mittlerweile. Die Nachfrage ist groß, die Kapazitäten sind begrenzt. "Wir wollen ein Familienbetrieb bleiben und nicht zur Massenabfüllung übergehen", sagt Susanne Taschner. Stammgäste aus Berlin und Fürstenwalde sind inwischen abhängig geworden vom Gerstensaft in der Wanne. "Wir hatten aber auch schon Gäste aus den USA und aus Japan", sagt Susanne Taschner. Denn neben der Rezeptur des Bades spielen natürlich auch das Ambiente und die persönliche Betreuung eine große Rolle. So soll man sich bei einer anderthalbstündigen Badezeremonie "ganz auf sich selbst und seine Empfindungen konzentrieren können". Dazu wird man in das urprüngliche Gewölbe des um 1806 erbauten Hauses geführt. Dort haben die Taschners einen Wellnessbereich eingerichtet. Naturfarbene Kacheln, Kerzenlicht und die Düfte ätherischer Öle schaffen eine angenehme Atmosphäre - ohne jegliche Bierfahne.

Während Wasser und Bier in die Wanne laufen, erklärt Susanne Taschner Ablauf und Wirkung des Bades. "Die äußerliche Anwendung von Bier galt schon im Mittelalter als heilsam. Damals wusste man nur noch nicht warum", erzählt die ausgebildete Physiotherapeutin. Heute wisse man, dass Bierhefe die Haut reinige, pflege und gut gegen Hautkrankheiten wie Schuppenflechte sei. Durch Vitamine und Mineralien würde außerdem der Hautstoffwechsel angeregt. Auch der Hopfen habe eine ganz bestimmte Wirkung. "Die Hopfenpflückerinnen wurden früher immer furchtbar müde", berichtet die junge Frau. Wie gut, dass es bei den Taschners noch eine Abschwitzpackung gibt. In weiße Laken gehüllt kann man nach dieser "lütschen Lage" den Bierbadrausch ausschlafen - oder sich ein kühles Helles zapfen lassen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben