Kunst im Kölner Dom : ''Der Kardinal wollte dieses Fenster nicht''

Das von dem weltberühmten Künstler Gerhard Richter entworfene Fenster des Kölner Doms ist offenbar gegen den Willen des Erzbischofs Kardinal Joachim Meisner realisiert worden. Ein Vertrauter Meisner berichtet von heftigem Streit.

Markus Peters[ddp]
Richter-Fenster
Wie geipxelt. Das neue Südfenster im Kölner Dom. -Foto: dpa

KölnKardinal Meisner habe sogar versucht, die Verwirklichung des abstrakten Entwurfs von Richter mit seinen 11.200 Farbquadraten zu verhindern, sagte der Insider dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Der Kardinal wollte dieses Fenster nicht", so der Meisner-Vertraute. Es sei über das geplante Fenster zu heftigen Auseinandersetzungen mit dem Domkapitel gekommen, dem für Betrieb und Ausstattung des Doms zuständigen Gremium. Meisner hatte an dem Gottesdienst zur feierlichen Einweihung des Fensters am Samstag nicht teilgenommen. Dompropst Norbert Feldhoff hatte dafür terminliche Gründe angeführt.

Meisner, der durchaus als Freund moderner Kunst gilt, hätte nach Darstellung der Zeitung auf der mehr als 110 Quadratmeter großen Fensterfläche lieber figürliche Darstellungen wie Heilige oder Märtyrer des 20. Jahrhunderts gesehen. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, das Domkapitel habe von Richter figürliche Darstellungen anstatt der farblosen Nachkriegsverglasung gewünscht. Mit seinem Entwurf habe sich der Künstler gegen den Wunsch des Domkapitels entschieden.

"Willkommene Lösung"

Da es auch nach Jahren keinen überzeugenden Entwurf für eine figürliche Darstellung gegeben habe, sei Richters gänzlich anders geartetes Konzept schlussendlich "eine willkommene Lösung" gewesen, zitiert der "Kölner Stadt-Anzeiger" den Vertrauten des Kardinals. Feldhoff bestätigte dem Blatt, dass es im Kapitel keine einstimmige Entscheidung gegeben habe.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" verwies auf eine aktuelle Veröffentlichung des früheren Kunsthistorikers der Dombauhütte, Rolf Lauer. Dieser erinnerte daran, dass erst seit der Weihe des Domchores im Jahr 1322 Teile der Domfenster mit figürlichen Darstellungen versehen waren. Dies habe bei der Geistlichkeit der Epoche Anstoß erregt, weil diese aus theologischen Gründen bildlose Darstellungen bevorzugt hätten. Somit könne man den Richter-Entwurf als Rückkehr zu den frühen Ursprüngen des Doms interpretieren.

Nach Angaben Feldhoffs hatte sich der ursprünglich geplante Weihetermin verschoben und kollidierte dann mit einem anderen Termin des Kardinals. Meisners Sprecher Christoph Heckeley verwies auf eine seit langem geplante Polenreise, von der der Kölner Erzbischof erst am Sonntag zurückgekehrt sei. Ein Stellungnahme zum Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers" lehnte Heckeley ab: "Gerüchte kommentieren wir nicht."