Kunst : Immendorff-Grafiken in Mainz zu sehen

Ende Mai starb Jörg Immendorff. Am Samstag wird nun in Mainz die bislang größte Ausstellung mit Grafiken des Künstlers eröffnet. Immendorff hatte noch selbst an der Vorbereitung mitgewirkt.

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Mehr als 460 Werke aus vier Jahrzehnten werden in Mainz gezeigt. -Foto: ddp

Mainz/KoblenzDie laut Veranstalter weltweit bislang größte Grafik-Ausstellung des kürzlich gestorbenen Malers Jörg Immendorff öffnet an diesem Samstag (7. Juli) in Mainz. Mehr als 460 Werke aus vier Jahrzehnten werden auf rund 1000 Quadratmetern Fläche in der Rheingoldhalle gezeigt, wie der Kurator Dirk Geuer mitteilte. Immendorff habe als einer der bekanntesten Künstler im Nachkriegsdeutschland noch selbst an der Vorbereitung der Ausstellung mitgewirkt. Am Pfingstmontag starb der Schüler von Joseph Beuys in Düsseldorf im Alter von 61 Jahren an einer unheilbaren Nervenkrankheit. Parallel eröffnet das Ludwig Museum in Koblenz am 21. Juli eine Ausstellung mit Werken von Immendorffs eigenen Schülern.

In der kürzlich erweiterten Mainzer Rheingoldhalle werden nun bis zum 26. August Linoldrucke, Radierungen, Lithographien, Siebdrucke, Stempeldrucke sowie Buch-Cover-Entwürfe und Fotos von Immendorff gezeigt. Die Arbeiten sind handsigniert, datiert und nur zum Teil betitelt. Chronologisch und thematisch nach Zyklen gruppiert hängen sie an weißen Wänden. Zu sehen ist auch der berühmte Bilderzyklus "Café Deutschland" der späten siebziger Jahre, in dem der ehemalige Maoist Immendorff die deutsche Teilung in expressiver Malweise anprangerte.

Betrachter auf Entdeckungsreise

Zwar wurde der Künstler eher als Maler und Bildhauer bekannt. Laut Geuer kommt aber ebenso der grafischen Darstellung innerhalb des Gesamtwerks eine große Bedeutung zu: "Alles, was er malte und zeichnete, hat er auch in Grafiken umgesetzt." Die in Mainz präsentierten Werke sind oft farbenfroh, dynamisch, schrill und plakativ. Viele der teils großformatigen Grafiken wirken symbolreich und rätselhaft, gesellschaftskritisch und politisch motiviert. "Immendorff hat seine Bilder nur ganz selten erklärt", sagte Kurator Geuer. "Er wollte den Betrachter selbst auf Entdeckungsreise gehen lassen."

Die Koblenzer Ausstellung präsentiert vom 21. Juli bis zum 19. August unter dem Motto "Meisterklasse Immendorff - Von Pferden und Affen" insgesamt rund 120 Arbeiten von 41 Schülern des toten Kunstprofessors. Nach Mitteilung des Museums sind obendrein filmische Mitschnitte von Besprechungen in der Kunstakademie Düsseldorf zu sehen, die einen Einblick in Immendorffs Kunstvermittlung geben. Auch an der Vorbereitung dieser Ausstellung hatte der Künstler kurz vor seinem Tod noch mitgewirkt. (mit dpa)