KUNST Stücke : Bilderbücher

Thea Herld schaut sich visuelle Poesie an und liest sich fest

Thea Herld

Zylla

arbeitet. Wo das geschieht, hat ihn nie besonders interessiert. Aber was bei der Arbeit passiert und wohin sie ihn bringt, liegt ihm am Herzen. Davon erzählen seine neuen Bilder und Zeichnungen (1800 bis 4200 Euro). Wie schon oft inspiriert von Literatur, denn bis heute sind poetische Texte ein Fundament für sein Tun. Textausschnitte macht er zu Bildern und Zeichnungen und kehrt das Innerste nach außen. „Mein Herz ist eine die ganze Nacht lang offene Herberge ...“, so beginnt eines der neuen Schriftblätter, die er zu Pessoas „Erwachen in Lissabon“ aus dem Dunkel gerissen hat. Zyllas Kunst, Literatur ins Bild zu setzen, ist schon exzeptionell. Er trifft den Nerv der Geschichte und verwandelt Schriften in farbschimmernde Texturen. Umgekehrt arbeitet er harsch und eigensinnig mit der wortlosen Linie. Die typischen Binnenkrakel ziehen sich überall durch. Sie nadeln durch die Figuren, wabern um sie herum, spinnen filigrane Netze zwischen Farbhaufen. Zylla ist mutiger geworden, greift mehr ins Leuchtende. Es geht lockerer zu. Mag sein, dass diese Entwicklung auch mit der portugiesischen Landschaft zu tun hat, in der Zylla arbeitet – kräftiger denn je (Galerie Berlin, Auguststraße 19, bis 14. Juli).



Design, Mangas, Logos: Comic-Geschichten, aber von allen Worten befreit, geben den Anstoß für die klaren Konstruktionen auf Klaus-Martin Treders Bildern. Die Titel in Riesenschrift schreibt ihnen der Stuttgarter selbst: So wie „keine angst … ich sterbe … nicht hier“. Denn Berlin, wo er jetzt lebt, ist ihm eigentlich schnuppe. Er ist vielmehr der Oberfläche auf der Spur. Probiert den kontrollierten Zufall auf weißem Bildgrund aus. Neu bei ihm das schwarze Gedrippel, das er mit drei parallelen Scheibenwischer-Spuren über die volle Fläche verschliert. Noch keine richtige Grabplatte – und doch ein Memento mori (8000 Euro). Leben ist immer riskant, auch hier. Dahin bringt ihn auch seine neue Skulptur. Ein Oval aus Aluminiumstreifen, das, achtsam gegeneinander gelehnt, zur fragilen Balance findet. Einem Riesen-Zelt ähnlich. Ein Geheimnis, das den Ort, wo die Geschichte wirklich spielt, für sich behält und beredt schweigt (Galerie Jette Rudolf, Zimmerstr. 90/91, bis 28. Juli).