KUNST Stücke : Can’t buy me art

Jens Hinrichsen

Fünfzig Cent kullern durch den Münzschlitz. Jetzt die „S8“ drücken! Die ersten Takte aus der Jukebox in der Galerie Thore Krietemeyer (Großbeerenstraße 83, bis 15. Juni) stimmen auf einen Barbra-Streisand-Song von 1980 ein. Doch eine ungewohnte weibliche Stimme erklingt, dazu ein leicht veränderter Text: „I am a woman in art / and I’ll do anything / to get you into my world / and hold you within.“ Seit Jahren sammelt Annette Hollywood angelsächsische Lovesongs und ersetzt das Wort „Liebe“ darin durch „Kunst“. Die Künstlerin hat einige der Songs – „I Feel Art“, „Stop! In The Name of Art“ oder „How Deep Is Your Art?“ – aufgenommen und auf Schallplatten gepresst. Neben der gut gefüllten Musicbox präsentiert sie in ihrer Soloausstellung (Preise auf Anfrage) eine Reihe von Covern, zu denen jeweils eine neu eingesungenen Vinylplatte gehört. Fast wie von selbst ergeben sich durch den Twist von „Love“ zu „Art“ ironische Kommentare zum Kunstbetrieb und speziell zur Situation von Künstlerinnen. „Justify My Art“ steht auf einem retuschierten Madonna-Cover. Tatsächlich stehen Frauen, die sich in der Kunstwelt behaupten, noch immer unter einem anderen Legitimationsdruck als ihre männlichen Kollegen. Interessant an „The Art Song Collection“ ist die Austauschbarkeit der Begriffe: als wäre Kunst etwas so Unkontrollierbares wie die Liebe. Widerspruch fordert allein ein Beatles-Cover heraus: „Can’t Buy Me Art“ steht da. Das kann Annette Hollywood nicht ernst meinen.

Als Kollektion lässt sich auch eine Gruppenausstellung in der Galerie September (Blumenthalstraße 8, bis 8. Juni) auffassen. Carsten Fock hat dort schon mehrere Soloausstellungen bestritten. Diesmal fungiert er vor allem als Kurator. „Was ich gut finde“ lautet der unprätentiöse Titel der Schau mit Malerei von sechs Künstlern. Von der Teilnehmerzahl her dominieren abstrakte Ansätze, die gegenständlichen Bilder von Antje Majewski können sich aber behaupten, auch weil ihre fotorealistischen Darstellungen von Steinen und ethnografischen Objekten raumgreifend installiert wurden – wie eine Sammlung in der Sammlung. Konventionell gehängt sind Friederike Feldmanns Kalligrafien, Henry Kleines gestische Großformate, Paul Simon Krügers Farbfeldmalereien, Sarra Turans minimalistisch-objekthafte Arbeiten und Ulrich Wulffs jazzige Kleinformate. Der sechste Künstler ist Fock selbst. Ein mit ruhelosem Pinsel gemaltes Bild (12 000 Euro) und ein Pastell (1600 Euro) – beide tragen den Titel „O. T. aus BRD ’88“ – schließen den Kreis zu Annette Hollywood. Denn sowohl das Ufo-Motiv als auch die Beschriftung „Eyes of the Universe“ zitieren ein berühmtes Album. Die 1979 erschienene LP von Barclay James Harvest spielte in Focks Kindheit eine Rolle. Von dieser einen Platte auf seinen heutigen Musikgeschmack zu schließen, wäre kühn. Dem widerspricht auch das breite visuelle Spektrum, das er als Kurator an den Tag legt.

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