KUNST Stücke : Farbe und Witz
11.11.2011 16:01 Uhr„Ist das Kunst, oder gehört das weg?" Bei Dietmar Walther ist man sich nie ganz sicher, ob er Trash, Klamauk oder Kunst produziert. Auch in der Galerie Neurotitan (Rosenthaler Straße 39, bis 26. November) verhält sich das nicht anders: Erst nach längerem Hinsehen beginnt man zu ahnen, dass es bei der Ausstellung „Copyright“ um beißende, grell ausgeleuchtete Ironie geht. Um pure Verballhornung und Persiflage. Wie lässt sich sonst der in der Ecke angebrachte Spiegel verstehen, den man lange nicht zuzuordnen weiß, bis man schließlich den Titel bemerkt: „That’s the way you look, looking at art“ (1200 Euro).
Das sitzt!
Manchmal schrammen Walthers ungewöhnliche Experimente jedoch an der Grenze des guten Geschmacks vorbei – wie etwa die Fotografie „Bon Appetit“, wo ein Pappteller zu sehen ist, auf dem sich ein schlaffer Penis wie eine fettige Bockwurst entlangstreckt. Selbst der Senf darf nicht fehlen. Wir ahnen: Es geht um Objekte des Alltags, die in einem neuen Zusammenhang unerwartete, zumeist komische Wirkungen entfalten. Arve Frase, die Zweite in dieser der Ironie gewidmeten Schau, beschäftigt sich ebenfalls mit Provokationen – etwa in ihrem Werk „Kabinettsumbildung“ (70 000 Euro). Die Künstlerin hat in ein Holzbrett kleine Fensterchen gefräst und jedes Fenster mit einem Bundesministerium übertitelt. Auf die restlichen Bretter hat sie Politikerköpfe gemalt, so dass man die Köpfe in den Fenstern hin- und herschieben kann, ohne dass sich eine feste Zuordnung ergibt. Mal ist Guido Westerwelle Außenminister, mal Ursula von der Leyen. Ob die Kunst hier die Politik manipuliert oder umgekehrt, ist nicht wirklich entscheidend. Wichtig ist, wer die Macht an sich reißt.
Um Manipulationen geht es auch bei der Ausstellung „Signs“ in der Galerie Wagner und Partner (Karl-Marx-Allee 87; bis 14. Januar), freilich in einem abstrakten Sinne. Denn die klinisch reinen Fotografien von Josef Schulz setzen sich mit symbolischer Leere auseinander. Der Fotograf hat Werbetafeln an amerikanischen Highways abgelichtet und sie anschließend mit Photoshop bearbeitet, so dass man nur stumme, sinnentleerte Schilder sieht, ohne Aufdruck und Dekoration. Allein die geometrische Form soll das Auge beschäftigen (jeweils 6000 Euro). Gerade durch diesen Verfremdungseffekt gewinnt Schulzens Kunst eine erstaunlich anziehende Kraft. Zusätzlich werden die Fotografien mit den Gemälden und Metallobjekten von Georg Karl Pfahler in Beziehung gesetzt (2200–33000 Euro), der sich Anfang der sechziger Jahre der sogenannten Hard Edge-Malerei zuwandte und damit internationale Erfolg feierte, unter anderem 1965 auf der Ausstellung „Signale“ in Basel. Auch seine Werke setzen geometrische Symbole durch farbliche Abstufungen um: Man sieht zweidimensionale Kanten und zirkelartige Rundungen in Rot, Gelb und Blau. So wird Farbe zu Form.













