KUNST Stücke : Schlappschüsse

02.09.2011 15:35 UhrVon Jakob Wais

Gleich drei Fotografen haben sich für die Ausstellung RememberTolerance in der Galerie contributed (Strausberger Platz 16, bis 21. September) hinter den Kulissen einer Modenschau umgesehen. Peter Grosslaub, Martin Diepold und Dorothea Tuch begleiteten Michael Michalsky während der Berliner Fashion Week. Der Designer widersprach Kanzlerin Merkel, die Multikulti für gescheitert erklärt hatte, mit einer imposanten Schau. Auch sein Motto war „Remember Tolerance". Mit Fotografien fast ausschließlich in Schwarz-Weiß fällt die Ausstellung dagegen schlicht aus.

Peter Grosslaub beschränkt sich auf vier Großformate, porträtiert eine alte Dame, die für Michalsky zum Model wurde und blickt dem Meister selbst über die Schulter. Bei Martin Diephold hängen rund 80 Aufnahmen auf engstem Raum. Die Schnappschüsse (je 300 Euro) des Pressefotografen zeigen lachende Gäste, angespannte Gesichter und einen Designer im Ausnahmezustand. Eine Reportage aus dem Krisengebiet Modenschau.Ein aufregendes Spiel mit Schärfe liefert die Berliner Porträtfotografin Dorothea Tuch auf zwölf Bildern. Tuch zeigt düstere Schattenrisse und ein junges Model mit durchdringendem Blick (um 1000 Euro). Während die Fotografen mit ihrer Arbeit vage das Thema Toleranz umrunden, begibt sich Lyriker Johannes Finke mit seinen Schriftzügen mitten auf die Ziellinie und bereichert die Ausstellung um manchen Schmunzler: „Ihre Burka ist sein Slayer-Shirt.“

Momentaufnahmen zeigt auch die Galerie pixelgrain (Rosenstraße 16/17, bis 27. September), denn für ihre Werkserie Vakuumresonanz ließ Vera Hofmann Installationen wie zufällig im Atelierraum entstehen. Waren die Fotos gemacht, wurden Hofmanns Arrangements aus Folien, Brettern, Schnüren und Klebeband entweder verändert oder zerstört. Ihre Fotoserie (400-1100 Euro) zeigt die Wirkung von Raum und Licht anhand eines unförmigen Kolosses aus dünnem Papier oder an einer von alten Bohrlöchern geschmückten Wand. Die Arbeit der Berliner Künstlerin wirkt wie eine Diagnose ihrer Heimatstadt. In kargen Räumen kann, wo nichts ist, aus einfachsten Mitteln alles entstehen, am Ende bleibt allerdings oft nur ein Foto als Zeugnis.Einen besseren Ort als das pixelgrain hätte es für diese Ausstellung nicht geben können: Die Galerie fungiert zugleich als Druckerei, und so erfüllt aufgeregtes Rumoren den kleinen Ausstellungsraum. Hofmanns Spiel mit der Leere will die Neugier des Betrachters wecken und fordert ihn heraus, ihren Experimenten mit Objekt, Raum und Zeit zu folgen. Allerdings verlangt es auch ein gewisses Maß an Kreativität und Offenheit, denn das Foto eines nackten Regals oder die wie zufällig hingeworfenen Bretter vor milchigen Altbaufenstern und Wasserschäden mögen manche schlicht an ihren letzten Umzug erinnern.

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