Der Tagesspiegel : Kunst & Raub Metropolitan-Chef spricht

in der American Academy

Nicola Kuhn

Eine Annäherung der Standpunkte ist kaum zu erwarten, doch schlägt sich Philippe de Montebello wacker in der „Höhle des Löwen“, wie der Generaldirektor der Staatlichen Museen und Podiumspartner Peter Klaus Schuster das lauschige Ambiente der American Academy nennt. Der Direktor des New Yorker Metropolitan Museums war im Rahmen der Stephen Kellen Lecture nach Berlin gekommen – nicht um über die aktuelle Impressionisten-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie und die gedeihliche interkontinentale Zusammenarbeit zu diskutieren, sondern um deutlich Position im Umgang mit Raubkunst zu beziehen. Denn bei diesem Thema scheiden sich bei den beiden Nationen die Geister.

Während sich Montebello als Anwalt unschuldiger Antiken präsentiert, warnt Schuster davor, dass Museen durch den Kauf obskurer Objekte zum Mittäter von Grabungsräubern werden. Das temperamentvolle Gespräch erfährt eine weitere Steigerung, als Montebello pathetisch erklärt, er fühle „eine Verpflichtung gegenüber diesen Werken“. Worauf Klaus-Dieter Heilmeyer, der ehemalige Direktor der Berliner Antikensammlung, im Publikum aufspringt und nicht weniger dramatisch entgegenhält: „Wir würden solche Objekte niemals anfassen, das können die anderen machen, die Amerikaner!“ John Kornblum, der ehemalige amerikanische Botschafter, versucht Einvernehmen herzustellen, indem er anmahnt, dass Museen sich nicht für Dinge schuldig fühlen sollten, die Jahrhunderte vorher begangen wurden. Ganz trifft er damit nicht den Punkt, denn gegenwärtig stehen aktuelle Rückgaben nach Italien zur Debatte. Nicht nur das Getty Center in Los Angeles hat sich durch den Ankauf illegal ausgegrabener und außer Landes geschmuggelter Kunst in Millionenhöhe schuldig gemacht, sondern auch die römisch-griechische Abteilung des Metropolitan Museums, die gerade in aufwendig renovierten Räumen wiedereröffnet wurde, steht unter Verdacht.

„Whose Culture Is It?“ lautet die Leitfrage von Montebellos Vortrag, die er mit einer Gegenfrage beantwortet: „Kann Kultur überhaupt jemandem gehören?“ Sein, so Schuster, „pragmatischer und verführerischer Ansatz“ im Umgang mit Antiken hinterlässt ein gespaltenes Publikum. Zwar fungiert das Museum als Schutzort kulturellen Erbes, dennoch verwandelt diese klassische Stätte der Aufklärung Raubgut noch lange nicht in neutrale Schätze. Nicola Kuhn