Kunstgriff : Millionen-Gemälde im Sperrmüll gefunden

Kurioser Fund: 2003 findet eine Schriftstellerin in New York ein Gemälde im Müll und nimmt es mit nach Hause. Jahre später erfährt sie durch Zufall, dass es sich um ein Meisterwerk handelt, das rund eine Million Dollar wert ist.

Tamayo Foto: AFP
Das Gemälde des mexikanischen Künstlers Rufino Tamayo (1899-1991). -Foto: AFP

New York Sammlerglück: Eine New Yorker Schriftstellerin hat vor vier Jahren in einem Sperrmüllhaufen an der Straße ein abstraktes Gemälde gefunden, das sich später als ein gestohlenes Meisterwerk des mexikanischen Künstlers Rufino Tamayo (1899-1991) herausstellte. Am 20. November wird das Bild jetzt vom Auktionshaus Sotheby's versteigert, berichtete die "New York Times". Schätzpreis: eine Million Dollar - rund 700.000 Euro.

Die Frau, eine leidenschaftliche Sperrmüllsammlerin, war an einem Morgen im März zu ihrem Stammcafé an der New Yorker Upper Westside unterwegs, als sie zwischen zwei Müllsäcken ein großes, abstraktes Bild in kräftigem Gelb, Orange und Pink entdeckte. Elizabeth Gibson zögerte zunächst, es in ihre ohnedies schon voll gestopfte Wohnung mitzunehmen. "Ich war echt im Zwiespalt", berichtete sie, aber das Gemälde habe eine "seltsame Anziehungskraft" ausgeübt.

Geheimnisvoller Fund im Müll

Nach mehreren vergeblichen Versuchen, das Geheimnis des mit "Tamayo 0-70" gezeichneten Bildes zu entschlüsseln, brachte eine Fernsehsendung über gestohlene Kunstwerke sie drei Jahre später auf die richtige Spur: Dort hatte der Sotheby's-Experte August Uribe über das vor zwanzig Jahren auf mysteriöse Weise aus einem Lagerhaus in Houston verschwundene Tamayo-Bild "Drei Menschen" (1970) berichtet. "In dem Augenblick, wo ich das Bild sah, wusste ich, dass es meines ist", erzählte Gibson. Sie setzte sich mit Sotheby's in Verbindung - gemeinsam konnten sie der US-Bundespolizei FBI schließlich von der Entdeckung berichten und das Bild an die Besitzerin zurückerstatten.

Ursprünglich hatten die "Drei Menschen" einem Sammler in Houston gehört, der sie seiner Frau 1977 für damals 55.000 Dollar als Geburtstagsgeschenk gekauft hatte. Zehn Jahre später, als das Paar umzog, deponierte es das gute Stück in einer Lagerhalle, wo es verschwand. Das FBI schrieb eine Fahnung aus, das Ehepaar bot einen Finderlohn von 15.000 Dollar an - alles umsonst. Wer das Bild damals stahl und wie es auf den Sperrmüll kam, ist bis heute ungeklärt.

Finderlohn für Schriftstellerin

Elizabeth Gibson soll jetzt zumindest den Finderlohn bekommen und eine kleinere Abfindung von Sotheby's. Damals war sie, nachdem sie das Bild in ihrer Wohnung aufgehängt hatte, nochmals an die Fundstelle zurückgegangen und hatte im nächstgelegenen Haus nach den möglichen Besitzern geforscht. "Niemand konnte sich an irgendetwas erinnern", sagt sie. "Alles, was sie wussten, war, dass die Müllabfuhr gekommen war - zwanzig Minuten, nachdem ich das Bild mitgenommen hatte." (mit dpa)