Kunstmesse : Madonnen und Moderne

Die Kunstmesse Cologne Fine Art ist eine der renommiertesten Kunstplätze der Branche. Nachdem im vergangenen Jahr über ihre Ausrichtung diskutiert wurde, öffnet sie morgen ihre Pforten.

KölnAls wahres "Lexikon" der Weltkunst präsentiert sich ab morgen die Messe Cologne Fine Art. Dazu kommen mehr als 160 Galeristen, Kunsthändler und Antiquare aus zehn Ländern nach Köln. Das Angebot reicht von mittelalterlichen Madonnen über Barockmöbel und Jugendstilglas bis zu erlesenen Objekten Asiens und Afrikas sowie Werken der Klassischen Moderne und der Gegenwartskunst. Der bis zum 4. November dauernde Kunstmarkt wird von der Fachmesse für Museumstechnik Exponatec ergänzt, bei der rund 200 Unternehmen ihre Neuigkeiten auf dem Gebiet der Restaurierung, Ausstellungsgestaltung und -präsentation zeigen.

Mit Spannung erwartet die deutsche Kunstmarkt-Szene das Ergebnis der im Austausch mit der Art Cologne erstmals im Herbst organisierten Cologne Fine Art, die damit unter anderem in Konkurrenz zur zeitnahen Kunstmesse in München geraten ist. Harsche öffentliche Kritik einer Galeristen-Riege an angeblich konzeptloser Kölner Kunstmessen-Politik rund um die Art Cologne sorgte unmittelbar vor Messeeröffnung zusätzlich für rauen Wind. "Wir sind immer offen für konstruktive Kritik", konterte Kunstmessen-Direktor Gérard Goodrow entsprechende Zeitungsartikel.

Ein froschköpfiger Bischof

Wie eine gemalte Satire zu Kölns von Kardinal Meisner losgetretener klerikaler Kunstdebatte erscheint ein surreales Gemälde von Max Ernst: "L'ecclesiaste (Opus Dei)" von 1964 (385.000 Euro) zeigt einen froschköpfigen Bischof mit rotem Barett in regenbogenfarbigem Rhombus. Zum Hochpreisangebot der diesjährigen Kunstmesse gehört ein laszives "Liebespaar" (um 1920) für 2,4 Millionen Euro des Expressionisten Otto Mueller, dem ein Galerist aus München eine regelrechte Museumsschau auf dem Kölner Kunstmarkt eingerichtet hat.

Das ungewöhnliche "Stillleben mit Kanne" (1917) des Bauhäuslers Lyonel Feininger ist für 1,25 Millionen Euro zu haben. Raritäten der Klassischen Moderne finden sich mit einem kubistischen Musiker des Russen Ivan Puni (850.000 Euro/1919), einem nur selten im Handel angebotenen abstrakten Reliefbild Willi Baumeisters von 1920 (360.000 Euro) oder mit Picassos großformatiger Tuschezeichnung "Tänzer" (980.000 Euro/1926).

Modernes von Immendorf bis Uecker

Freunde der Moderne werden bei Skulpturen wie Jörg Immendorfs Affenpaar (180.000 Euro/2004) oder Rainer Fettings rauchendem Altkanzler Helmut Schmidt in Bronze fündig oder können sich an Buchobjekten des Nagelkünstlers Günther Uecker erfreuen. Die vor allem mit Klassikern wie Man Ray vertretene Fotografie wagt mit Leni Riefenstahls riesigen, nackten afrikanischen Tänzerinnen (24.800 Euro) einen Abstecher in die Peinlichkeit.

Ältere Malerei kommt mit einem kraftvollen Blumenstillleben von Lovis Corinth, Alfred Sisleys sonniger Flusslandschaft (750.000 Euro/1897) oder Carl Spitzwegs düsterem Nachwächter (um 1837/64.000 Euro) zu ihrem Recht. Für Exotik am Rhein sorgen eine ausdrucksstarke Reiterfigur der westafrikanischen Baule (160.000 Euro) oder ein grün patinierter Münzschatz, der in einem uralten chinesischen Schiffswrack zum dekorativen "Kunstwerk" in Plattenform verbacken ist und sich auf der Messe in 25.000 Euro verwandeln soll.  (mit dpa)