Der Tagesspiegel : Kunstsammler Ullens eröffnet Zentrum für Gegenwartskunst in Peking

PekingDie belgischen Kunstsammler Guy und Myriam Ullens haben in Peking eines der größten Zentren für zeitgenössische Kunst in China geschaffen. Im Künstlerviertel 798 auf dem Gelände einer alten Elektronikfabrik öffnet am Montag das Ullens Center for Contemporary Art (UCCA) genannte Museum die Tore für das Publikum. "Wir hoffen, dass dieses Zentrum ein offenes Fenster für die Kunstwelt wird und eine Reise in die Vielfalt zeitgenössischer Kreativität", erklärte der Industrielle. Der 72-Jährige besitzt eine der größten Sammlungen zeitgenössischer chinesischer Kunst.

Für das 8000 Quadratmeter große Museum wurde eine im Bauhaus-Stil erbaute, ausgediente Fabrik vom französischen Architekten Jean-Michel Wilmotte umgebaut. Das Zentrum soll chinesische und internationale Gegenwartskunst zeigen und sich dafür unter anderem der Ullens Sammlung bedienen. Zur Eröffnung zeigt das UCCA eine Retrospektive "'85 New Wave - die Geburtsstunde der zeitgenössischen chinesischen Kunst". Es ist die bisher umfassendste Werkschau über die 80er Jahre, als sich die Kunstszene in China von den sozialistischen Fesseln löste und im Zuge der Reform- und Öffnungspolitik intensiv experimentierte.

"Die 85er Bewegung stellte einen Wendepunkt in der Geschichte zeitgenössischer Kunst dar, die sich von der Tradition lossagte und in eine neue Richtung zielte", sagte der künstlerische UCCA-Direktor Fei Dawei. "Auf diese Zeit zurückzublicken, erlaubt uns, eine Perspektive auf die gegenwärtige Lage zu gewinnen und die Bedeutung von Kunst zu überdenken." Der belgische Unternehmer Ullens, dessen Familie in Lebensmittelindustrie reich geworden ist und unter anderem das Diät-Unternehmen Weight Watchers besitzt, lebte in den 80er Jahren in Peking und begann damals, chinesische Kunst zu sammeln. (mit dpa)