Kurden-Konflikt : Lage an der nordirakischen Grenze bleibt angespannt

Die Konfrontation der türkischen Armee mit Kämpfern der PKK spitzt sich zu. Die Regierung in Ankara entsandte weitere Einheiten an die Grenze zum Irak. International wurde der Ruf nach einer friedlichen Beilegung des Konflikts laut.

Türkei Soldaten Foto: dpa
Militäreinsatz im Nordirak? Die türkische Armee marschiert an der Grenze auf.Foto: dpa

Bagdad/IstanbulDie Spannungen an der türkisch-irakischen Grenze haben sich nach den blutigen Gefechten zwischen Soldaten und kurdischen Rebellen zugespitzt. Zusätzliche Einheiten der türkischen Armee und Kämpfer der irakischen Kurdenparteien bezogen Stellung, wie Augenzeugen in der Provinz Dohuk der Nachrichtenagentur Aswat al-Irak sagten. Die "Peschmerga" seien deutlich sichtbar für jedermann entlang der Grenze zur Türkei ausgeschwärmt. Die türkische Artillerie habe in der Nacht zudem Granaten auf ein Dorf nahe der Stadt Zacho abgefeuert. Die Zahl der Toten bei den neuen Gefechten zwischen Soldaten und Kämpfern der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei (PKK) stieg auf 46.

Acht türkische Soldaten vermisst

Die Armee vermisst nach den gestrigen Gefechten noch acht ihrer Soldaten. Über das Schicksal der Vermissten gebe es keine Informationen, teilte der türkische Generalstab mit. Die PKK erklärte, sie habe am Wochenende mehrere türkische Soldaten verschleppt und veröffentlichte die Namen der Gefangenen. Bei den Gefechten im Grenzgebiet zum Irak waren zwölf türkische Soldaten und mehr als 30 kurdische Kämpfer getötet worden.

In der nordirakischen Stadt Kirkuk protestierten mehrere tausend Kurden gegen die türkischen Drohungen eines Einmarschs. An dem Protest nahmen laut Augenzeugen zahlreiche Funktionäre der beiden großen Kurdenparteien von Staatspräsident Dschalal Talabani und Kurdenpräsident Massud Barsani teil. Zuvor hatten sie die Kämpfer der PKK aus der Türkei am Wochenende erneut aufgefordert, das Land zu verlassen. Gleichzeitig betonten sie jedoch ihr Recht auf Selbstverteidigung, sollte die türkische Armee im Nordirak einmarschieren.

In Bagdad wuchs nach der jüngsten Attacke der PKK auf die türkische Armee die Angst vor einer türkischen Offensive gegen die Aufständischen im Nordirak. Das Parlament beriet am Nachmittag hinter verschlossenen Türen über die Lage an der Grenze zur Türkei. In der nordirakischen Stadt Kirkuk protestierten mehrere Tausend Kurden gegen die türkischen Drohungen.

PKK will Angriffe beenden

Die türkische Regierung steht wegen der jüngsten Serie von Rebellen-Angriffen innenpolitisch unter wachsendem Druck, mit einer Militäroffensive gegen die PKK im Nordirak vorzugehen. Die PKK soll unterdessen angeblich ein Ende der Angriffe auf türkische Soldaten in dem Gebiet nahe der irakischen Grenze angekündigt haben. Der Nachrichtensender Al-Arabija berichtete, der irakische Staatspräsident Dschalal Talabani habe erklärt, die PKK werde von Montagabend an das Feuer einstellen.

Der EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn unterstützte unterdessen die türkische Regierung. "Die Kommission bekundet ihre Solidarität mit der Türkei im Kampf gegen den Terrorismus, der eine gemeinsame Herausforderung für die EU und für die Türkei ist", sagte eine Sprecherin Rehns in Brüssel. Der Kommissar, der für die Beitrittsverhandlungen mit Ankara zuständig ist, hatte schon in der vergangenen Woche erklärt, die Kommission habe Verständnis für das Bemühen der türkischen Regierung, "die Bürger zu schützen". Zugleich hatte er die Türkei und den Irak aufgefordert, dieses Problem in Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Stellen und unter Achtung des internationalen Rechts anzugehen".

Internationales Ringen um Deeskalation

Auch die USA und Großbritannien verurteilten den Angriff kurdischer Rebellen auf türkische Soldaten scharf. "Wir sind über die terroristische Gewalt empört", sagte der Sprecher des US-Außenministeriums Sean McCormack am Sonntagabend. Die Bundesregierung appellierte an die Führung in Ankara und die irakischen Behörden, gemeinsam für Stabilität in der Region zu sorgen.

 Ägypten rief die Regierung in Bagdad, die Regierung des kurdischen Autonomiegebietes und die US-Truppen im Irak auf, gemeinsam dafür zu sorgen, dass die Türkei nicht von irakischem Gebiet aus bedroht werde. Alle Beteiligten müssten Zurückhaltung üben und eine friedliche Lösung suchen, "denn der Einsatz von Gewalt, würde die Lage nur noch weiter destabilisieren", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Kairo. (mit dpa, AFP)