Kurswechsel : BMW will mit neuen Modellen in die Zukunft starten

Der neue BMW-Chef Reithofer hat sich für seinen großen Paukenschlag viel Zeit gelassen. Jetzt will er neue Wege beschreiten, um den Autobauer wieder fit für den Wettbewerb zu machen.

Axel Höpner[dpa]
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BMW-Chef will neue Wege beschreiten. -Foto: dpa

MünchenNicht die üblichen 100 Tage Einarbeitungszeit genehmigte sich der Vorstandsvorsitzende nach seinem Amtsantritt im September 2006. Ein ganzes Jahr lang durchleuchtete der 51-Jährige gemeinsam mit einem engen Team den weiß-blauen Autobauer bis in die letzte Ecke. Sein Fazit fiel nun angesichts der Absatzrekorde, die BMW alljährlich feiert, auf den ersten Blick überraschend aus: "Unsere Wettbewerbsfähigkeit stand auf dem Spiel." Mit neuen Modellen, einer veränderten Führungsspitze und einem milliardenschweren Sparprogramm will Reithofer nun die Unabhängigkeit des Konzerns auch auf lange Sicht sichern.

Die neue Langfrist-Strategie hatte Reithofer nach der gründlichen Analyse in mehreren geheimen Treffen im BMW-Gästehaus am Tegernsee in typisch-oberbayerischer Umgebung festgezurrt. Hauptproblem, dass es dabei zu lösen gab, war die in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunkenen Profitabilität. Mit einer Vorsteuerrendite von unter sechs Prozent lag BMW zuletzt eher auf dem Niveau von Massenherstellern wie Volkswagen, während der Erzrivale Mercedes inzwischen deutlich besser dasteht.

Reithofer: Die Zukunft braucht neue Rezepte

Bis 2012 soll die Umsatzrendite nun auf bis zu 10 Prozent gesteigert werden, der Absatz irgendwann in den nächsten Jahren die Zwei-Millionen-Grenze durchstoßen. "Die Erfolgsrezepte der Vergangenheit eignen sich nicht für die Zukunft", begründete Reithofer den Kurswechsel. Auch bei der Modellpalette greift er daher durch. Das "raumfunktionale Konzept" - die BMW-Interpretation eines Vans, die unter Vorgänger Helmut Panke auf den Weg gebracht wurde - wird fallengelassen. "Das passt einfach nicht zu BMW", sagte Reithofer. Auch so hat der Konzern aber eine Reihe neuer Fahrzeuge in der Pipeline.

Grund für die Neuausrichtung dürfte auch die relativ schwache Entwicklung des Aktienkurses in den vergangenen Jahren gewesen sein. Ein Vorstandschef, der vor allem auf die kurzfristige Kurs-Performance setzt, ist Reithofer aber nicht. Im Aufsichtsrat gab es für seine neue Langfriststrategie denn auch Applaus von allen Seiten: Die Familie Quandt kann sich als Großaktionär auf eine höhere Dividende freuen. Die Arbeitnehmer sind zufrieden, dass zwar sechs Milliarden Euro eingespart, aber keine Stellen abgebaut werden sollen. "In vielen anderen Unternehmen beginnt so ein Effizienz-Programm, indem erstmal 8000 Arbeitsplätze gestrichen werden", sagte Aufsichtsrat Werner Neugebauer von der IG Metall. Reithofer habe dagegen zugesagt, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten und die Auszubildenden zu übernehmen.

"Er kann dann auch mal ein oberbayerischer Büffel sein"

Reithofer war Produktionsvorstand, ehe er am 1. September 2006 den Vorstandsvorsitz und damit eine schwere Aufgabe übernahm. Seine Vorgänger hatten BMW zum erfolgreichsten Premium-Hersteller der Welt gemacht. Ein Jahr nach dem Antritt wird der neue Mann an der Spitze von allen Seiten gepriesen. Der gebürtige Penzberger gilt im Hause nach dem unnahbaren Vorgänger Helmut Panke als zugänglich und persönlich uneitel. "Er ist ein fleißiger Arbeiter, teamorientiert und weiß, was er will", sagte Aufsichtsrat Neugebauer von der IG Metall. "Er kann dann auch mal ein oberbayerischer Büffel sein." Im weiß-blauen Freistaat ist das als Anerkennung gemeint.