Der Tagesspiegel : Kurzmeldungen

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Politik ist nicht nur, was Landtag und Kabinett beschließen, sondern auch, was auf den Fluren getuschelt wird. Jeden Sonntag bringt der Tagesspiegel deshalb einen Blick hinter die Kulissen von Brandenburg.

Jörg Schönbohm hat sich mit Kritik an Manfred Stolpe, den er hoch schätzt und einmal als „Glücksfall für Brandenburg“ bezeichnete, immer zurückgehalten. Selbst nach dem Bundesrats-Eklat war das so. Doch in den vergangenen Tagen machte Schönbohm aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Herr Stolpe, so mies habe ich Sie noch nicht erlebt.“ Schönbohm reagierte damit auf Stolpes Wahlkampf-Attacke, dass Stoiber die Zeit für die Schauspielschule genutzt habe, als Schröder der Schutzpatron der Opfer des Hochwassers war. Zur Versöhnung dürfte es am heutigen Sonntag kommen: Schönbohm hat zur „Vorfeier“ seines 65. Geburtstages rund 60 Gäste, zumeist Freunde und Bekannte, eingeladen. Stolpe hat zugesagt. „Natürlich gehe ich“, so der Ex-Regierungschef. Die eigentliche Feier mit 140 Gästen findet Montagabend statt. Unter den Gästen sind neben Matthias Platzeck auch viele Parteifreunde aus seiner Berliner Zeit.

Neue Minister, neue Sitten: Günter Baaske, der neue Sozialminister, wirft die bisherige Kleiderordnung im Kabinett über den Haufen, was einigen seiner Kollegen nicht unbedingt gefällt. Zu seiner ersten Kabinettssitzung kam er im Holzfällerhemd und obendrein zu spät, zur zweiten erschien er im Polohemd. Das hatte es unter Manfred Stolpe nie gegeben. Doch mit Stolpe, Ziel und Schelter hat das Kabinett gleich drei penible Preußen verloren. Trotzdem meint zum Beispiel Kulturministerin Johanna Wanka: „Staatsämter verlangen einen gewissen Stil“ - und demonstrierte es auch gleich selbst: Sie kam im Sommerkleid, zog sich jedoch im Kabinett eine Jacke über. Baaske zeigte sich wenig beeindruckt: Die Geschäftsordnung der Landesregierung sehe keine Kleiderordnung vor. Er komme sauber und adrett, über Geschmack lasse sich streiten.

Auch Finanzministerin Dagmar Ziegler fiel bei der letzten Sitzung des Kabinett aus dem Rahmen: Sie faltete zu Beginn einen Stapel Blätter im Eiltempo. Es handelte sich um den Hochwasser-Ratgeber der Landesregierung, der auf ihre Initiative entstand, und direkt aus der Druckerei ins Kabinett geliefert worden war, wo Ziegler ihn vorstellen wollte. Ministerpräsident Matthias Platzeck reagierte verblüfft: „Was machst du denn da?“ Ziegler trocken: „Eine Folge der Personaleinsparung in der Regierung.“ Mit dem Ratgeber dürften sich Brandenburgs Hochwasser-Schadensmeldungen weiter vermehren. Die Schäden sollen schon jetzt, obwohl nirgendwo Dämme gebrochen sind, mit bis 280 Millionen Euro größer als beim Oderhochwasser sein. Michael Mara

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