Der Tagesspiegel : Kurzmeldungen

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Politik ist nicht nur, was Landtag und Kabinett beschließen, sondern auch, was auf den Fluren getuschelt wird. Jeden Sonntag bringt der Tagesspiegel deshalb einen Blick hinter die Kulissen von Brandenburg.

In der Großen Koalition liegen derzeit die Nerven blank: Vor allem in der CDU ist wegen der schlechten Umfragewerte die Stimmung mies, argwöhnisch werden alle SPD-Aktivitäten beobachtet. Das bekam jetzt sogar Ministerpräsident Matthias Platzeck zu spüren. Die bislang bei den Sozialdemokraten hochgeschätzte CDU-Kulturministerin Johanna Wanka warf ihm öffentlich vor, die Feier zur Grundsteinlegung für Potsdams neues Theater in der Schiffbauergasse für Wahlkampfzwecke missbraucht zu haben. Ihr Ministerium sei, obwohl Hauptförderer des Projektes, in Platzecks Dankesrede mit keinem Wort erwähnt worden.

Auch andere CDU-Politiker fühlen sich vom Koalitionspartner bei offiziellen Veranstaltungen „aus wahltaktischen Gründen ausgebootet". Inzwischen führten Platzeck und Wanka ein Vier-Augen-Gespräch. Wankas Kommentar: „Zum Glück ist in ein paar Tagen der Wahlkampf vorbei." PDS-Genossen wiederum wundern sich über ihren Landeschef Ralf Christoffers. Er stehe völlig neben sich, heißt es, sei dünnhäutig und verkrampft. So hatte „Die Welt" spekuliert, dass Gregor Gysi Spitzenkandidat der PDS bei der Landtagswahl 2004 in Brandenburg werden könnte.

Das Blatt zitierte auch Fraktionschef Lothar Bisky, der in seiner bekannt-ironischen Art meinte: Ganz sicher werde er die Spitzenkandidatur nicht übernehmen, insofern sei sie frei. Nur Christoffers, der Bisky 2004 beerben will, nahm die Spekulation ernst. Er stehe einer Kandidatur Gysis nicht ablehnend gegenüber, halte die Spekulationen aber für verfrüht, da erst 2004 gewählt werde. Seine Genossen reagierten mit Kopfschütteln, ohnehin genervt über die Alleingänge des ehrgeizigen 45-Jährigen: Mal philosophiert er in einem nicht abgestimmten rot-roten Strategiepapier über eine Fusion mit den Sozialdemokraten, mal plädiert er entgegen dem Parteiprogramm für die Wehrpflicht.

Arbeitsminister Günter Baaske legt neuerdings Wert auf ein konservatives Outfit: Als T-Shirt-Minister angetreten, trägt er jetzt meist Anzug und Krawatte. Landtags-Vizepräsident Martin Habermann hatte Regierungschef Matthias Platzeck nach der letzten Landtagssitzung darauf hingewiesen, dass sich „mehrere Fernsehzuschauer und Gäste der Landtagssitzung" beklagt hätten, „wer denn der Campingurlauber im T-Shirt auf der Regierungsbank" sei. Platzeck reagierte nicht überrascht: Ihm sei klar gewesen, dass da wohl etwas in nächster Zeit kommen werde. ma/thm

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