Der Tagesspiegel : Kurzmeldungen

NAME

Politik ist nicht nur, was Landtag und Kabinett beschließen, sondern auch, was auf den Fluren getuschelt wird. Jeden Sonntag bringt der Tagesspiegel deshalb einen Blick hinter die Kulissen von Brandenburg.

In der Union wird es zwar tapfer dementiert: Nein, es gebe keine Diskussion über die Schönbohm-Nachfolge. Dennoch hat der frühere Landeschef Ulf Fink einen wunden Punkt in der Partei getroffen, als er sich jetzt für einen Generationswechsel aussprach – und damit als erster Christdemokrat aus der Deckung wagte: „Es wäre sinnvoll, wenn Herr Schönbohm die Nachfolge regeln würde.“ Wer 65 sei, müsse wissen, dass er nicht ewig weitermachen könne. Tatsächlich ist die Unruhe in der Union beträchtlich, da Schönbohm selbst nicht nur Interesse am Posten des Verteidigungsministers in einem Kabinett Stoiber bekundet, sondern die Nachfolge-Frage als aktuell bezeichnet hatte. „Das beschäftigt mich. Die Frage steht auf der Tagesordnung“, so Schönbohm. Er wolle „einen geordneten Übergang, der von allen akzeptiert und gemeinsam vollzogen wird“. Allerdings ist derzeit kein Kandidat, der die große Mehrheit der Partei hinter sich hat, in Sicht. Schönbohm will deshalb selbst bei einem Wechsel ins Bundeskabinett Parteichef in Brandenburg bleiben.

Ob es dem Potsdamer SPD-OB-Kandidaten Jann Jakobs geschadet hat, dass auf dem Wahlzettel seine Berliner Adresse steht, wird sich Sonntag Abend zeigen. SPD-Wahlkampf-Strategen räumen allerdings ein, dass dies „optisch nicht besonders geschickt“ sei. Alle anderen sechs Kandidaten geben Potsdamer Adressen an. Jakobs – seit 1993 Amtsleiter, seit 1997 Bürgermeister in Potsdam – hat zwar inzwischen ein Appartement in der Landeshauptstadt gemietet, aber sich nicht rechtzeitig umgemeldet. „Er hatte genügend Zeit“, ärgern sich manche SPD-Genossen. Sie fürchten, dass der „kleine Schönheitsfehler“ ihm vielleicht Stimmen kosten könnte, so dass er in die Stichwahl müsse. Sein Gegner Wieland Niekisch (CDU) jedenfalls wirft Jakobs eine „gewisse Überheblichkeit“ vor. Hingegen hält sich PDS-Kandidat Hans-Jürgen Scharfenberg zurück: Man wolle daraus kein Wahlkampfthema machen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben