Der Tagesspiegel : Kurzmeldungen

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UNTERM ADLER

Politik ist nicht nur, was Kabinett und Parlament beschließen, sondern auch, was auf den Fluren geflüstert wird. Jeden Sonntag bringt der Tagesspiegel deshalb einen Blick hinter die Kulissen von Brandenburg.

Die Nacht beim Kanzler, in der Manfred Stolpe zur Übernahme des Infrastrukturministeriums vergattert wurde, wird Ministerpräsident Matthias Platzeck so schnell wohl nicht vergessen: Der „Liebling des Kanzlers“ musste als Blitzableiter herhalten. Erzürnt über Tiefensees Absage erregte sich der Kanzler darüber, dass Platzeck wenige Tage zuvor ein SuperMinisterium für die Ost-SPD gefordert und Leipzigs Oberbürgermeister Tiefensee als geeigneten Kandidaten präsentiert hatte. „Was seid ihr nur für Menschen, ihr Ossis? Da biete ich euch ein Ministerium an und ihr. . .“ Im kleinen Kreis soll Platzeck später resümiert haben: „Ich habe mich in den Boden rammen lassen.“ Zurückgeblieben ist allerdings nichts: Als mit Stolpe alles klar war, vertrugen sich Schröder und Platzeck wieder – bei einem guten Rotwein in den Kanzlerräumen.

In SPD-Kreisen wird immer noch spekuliert, ob es der gewiefte Taktiker Stolpe nicht auf seine Berufung zum Super-Minister angelegt haben könnte: Als Unterhändler habe er Tiefensees Abneigung gegen einen Wechsel nach Berlin gekannt und dessen Absage einkalkulieren müssen. Dass er andere, weniger geeignete Namen ins Spiel gebracht habe, wird als Ablenkungsmanöver gewertet. Auffallend auch: Leute, die den Ex-Kirchendiplomaten und -Ministerpräsidenten gut kennen, äußerten schon Tage vor der Entscheidung, dass „es letztlich auf Stolpe hinauslaufen könnte“, es wurden sogar Wetten abgeschlossen. Als ein Motiv wurde auch genannt, dass die Berufung zum Superminister im Bundeskabinett für Stolpe nach den jahrelangen Vorwürfen wegen seiner Stasi-Kontakte so etwas wie eine endgültige Rehabilitierung sein könnte.

Um so schlimmer für die märkischen Genossen, dass ausgerechnet der SPD-Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl, Stephan Hilsberg, den Ex-Regierungschef und Ehrenvorsitzenden der Brandenburger SPD wegen seiner Stasi-Kontakte an Schröders Kabinettstisch für untragbar hält. Dass der bisherige parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium möglicherweise sehr persönliche Motive für seine Attacken hat, macht die Sache für die meisten Genossen nur noch schlimmer. Intern gab es zunächst Überlegungen, eine harte Linie gegenüber Hilsberg zu fahren. Dass man es nicht tun will, hat handfeste Gründe: Angesichts der knappen rot-grünen Mehrheit im Bundestag könne man mit Hilsberg, so ein SPD-Bundestagsabgeordneter, „nicht so umspringen, wie er es verdient“. Er könnte sonst zum Überläufer werden.

Dass zur Meldung ein passendes Bild fehlt, gehört im Zeitungsgeschäft zu den üblichen Problemen. Aber nicht nur da: Auch die Potsdamer Staatskanzlei hatte Probleme, als sie auf ihrer Homepage ( www.brandenburg.de ) die Meldung über Drogendelikte bei Jugendlichen illustrieren wollte. Man suchte im Archiv, fand ein Foto von Kindern, die Drogen konsumierten und hielt es für geeignet. Später stellte man – huch! – fest: Diese Kinder waren rumänische Straßenkinder in Bukarest. Schnell und ein wenig beschämt wurde das Bild gelöscht. ma/ari

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