Der Tagesspiegel : Kurzmeldungen

-

UNTERM ADLER

CDU-Landeschef und Innenminister Jörg Schönbohm ist unter Beschuss besonders dünnhäutig: Obwohl sich die SPD mit Kritik an seinem Interview mit der rechtsradikalen „Jungen Freiheit“ auffallend zurückhielt, bekam SPD-Fraktionschef Gunter Fritsch prompt einen Beschwerdebrief auf den Tisch: Schönbohm beklagte sich, dass Fritsch sein Interview „bedenklich“ genannt habe. Er legte eine Liste von Politikern bei, die dem vom NRW-Verfassungsschutz beobachteten Blatt Interviews gegeben hätten, darunter auch SPD-Genossen und Grüne. Und er erinnerte daran, dass der frühere SPD-Regierungschef Manfred Stolpe dem „Neuen Deutschland“ als Interviewpartner zur Verfügung gestanden habe. Fritsch in einem Telefonat mit Schönbohm: „Noch milder hätte meine Kritik nicht ausfallen können".

Brandenburgs neue Justizministerin Barbara Richstein (CDU) bleibt einer Preisverleihung an Außenminister Joschka Fischer demonstrativ fern: Dieser soll am 28. November von der Jüdischen Gemeinde Berlin, bei der Richstein als Vorstandsreferentin arbeitete, für seine Verdienste im Kampf gegen Antisemitismus und für die deutsch-israelische Verständigung mit der Heinz-Galinski-Medaille ausgezeichnet werden. Richstein zur Begründung: Sie stehe zur Jüdischen Gemeinde, halte es aber für unangemessen, dass Fischer diesen Preis erhalte. Sie verwies auf seine 68-er Jugendsünden.

Der jahrelange Krieg um die „Villa Kellermann“ am Heiligen See in Potsdam ist zu Ende: Verlierer ist der Oberurseler Geschäftsmann Johannes Rey, der in den letzten Jahren mit allen Mitteln das Nobelrestaurant aus dem pompösen neo-klassizistischen Bau vertreiben und dort ein Spielkasino etablieren wollte. Gastronom Maximilian Dreier musste sich unglaubliche Schikanen gefallen lassen: Mal wurde ihm die Heizung abgedreht, mal die Herrentoilette zugemauert, dann wurden Gräben aufgerissen, um den Zugang zu verhindern. Der Gastronom, der wiederholt die Gerichte gegen Rey bemühen musste, verkündete bei einer Feier in der Nacht zum Sonntag Freunden die frohe Botschaft: Das Haus stehe unter Zwangsverwaltung, er sei glücklich, dass „man diesen Herrn jetzt aus Potsdam herausbekommt".

Er war in der letzten Woche in aller Munde: der Auftritt von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) bei Beckmann. Der Moderator ist dafür bekannt, Gästen private Geständnisse zu entlocken. Auch bei Platzeck hatte er Erfolg: Über 20 Minuten beantwortete der „Frauenversteher“ Fragen Beckmanns über seine neue Liebe Jeanette Jesorka, seine lebhaften Beziehungen zu Frauen und „Schmetterlinge im Bauch". Das Echo war widersprüchlich. Manche Kabinettskollegen waren unangenehm berührt: „Das Privatleben und erst recht das Liebesleben sind tabu.“ Doch wurde Platzeck in E-Mails auch gelobt, dass er so ehrlich über seine Gefühlswelt rede: Das sei ein neuer Stil. Ein CDU-Politiker mutmaßte, dass Platzeck „offensichtlich Punkte beim Wähler“ machen wollte. ma/thm

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben