Der Tagesspiegel : Kurzmeldungen

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UNTERM ADLER

Politik ist nicht nur, was Kabinett und Parlament beschließen, sondern auch, was auf den Fluren getuschelt wird. Deshalb wirft der Tagesspiegel jeden Sonntag einen Blick hinter die Kulissen von Brandenburg.

Es war für manche Brandenburger Gäste ein irritierendes Erlebnis, als Bundesbauminister Manfred Stolpe (SPD) jetzt zu seinem ersten großen Empfang ins neue Ministerium nach Berlin lud. Sie mussten einen ungewohnt schwachen Auftritt ihres früheren Ministerpräsidenten beobachten: Die Aufmerksamkeit der rund 900 Gäste ließ schnell nach, weil Stolpes vierzigminütige Rede so langatmig und langweilig war. Am Ende kam der gegen das immer lauter werdende Gemurmel nicht mehr an. Stolpe musste sogar um etwas mehr Ruhe bitten. „Das hat es früher nicht gegeben", berichteten Teilnehmer später in Potsdam. „Früher konnte man eine Stecknadel fallen hören, wenn Stolpe sprach“, sagten frühere Mitstreiter besorgt. Vielleicht sei es doch ein Fehler gewesen, dass er sich den neuen Job auf seine alten Tage noch zugemutet habe, fragen sie sich nun .

Die Schlagzeilen über die Affären brandenburgischer Minister und hoher politischer Beamter haben unerwartete Nebenwirkungen. „Ich könnte einen Privatdetektiv beschäftigen", erzählte jetzt Heinz Vietze, parlamentarischer Geschäftsführer der PDS, in kleiner Runde. Denn neuerdings werde er mit Hinweisen über dubiose Verwicklungen „geradezu überhäuft“. Anonym oder offen werde Belastendes über fragwürdige Geschäfte von ExMinistern und Spitzenbeamten verbreitet. So kursieren neuerdings wilde Gerüchte über angebliche Wohnungsgeschäfte von Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß und arabischen Scheichs in Potsdam. Vietze: „Ob Chipfabrik oder Lausitzring – es ist unsolides Regierungshandwerk, das dazu führt, Gerüchte und Verdächtigungen munter sprießen zu lassen.“

Gerüchte entstehen oftmals auch aus nichtigen Gründen schneller als man denkt. So sorgte in der Regierung letzte Woche eine ungewöhnliche Einladung für Klatsch und Tratsch. Arbeitsstaatssekretärin Margret Schlüter und Baustaatssekretär Clemens Appel (beide SPD) luden gemeinsam ihre SPD-Amtskollegen zu einem gemütlichen Beisammensein ins Ristorante „Villa Haake“ ein. Und zwar wie es hieß, „wegen Heirat". Die Verwunderung war groß, denn von einer Liaison der beiden – schließlich kann man in Potsdam nichts geheimhalten – hatte bislang niemand etwas bemerkt. Das Ganze klärte sich schnell auf. Tatsächlich haben Appel und Schlüter kürzlich geheiratet – aber jeder jemand anderen.

Brandenburgs Bildungsminister Steffen Reiche (SPD) scheint Gefahren magisch anzuziehen. Nicht nur, dass Einbrecher kürzlich sein Haus in Rehbrücke plünderten, während er mit seiner Familie in der oberen Etage schlief. Im Sommer wäre beinahe das Ministerium abgebrannt, weil im Keller ein Kabelbrand ausbrach. Der wurde zwar gelöscht, aber den Flammen fiel ausgerechnet der Herrnhuter Weihnachtsstern zum Opfer, der alljährlich den Eingang des Ministeriums schmückte. Seit einigen Tagen gibt es Ersatz: Reiche hat aus seiner Privatkasse einen neuen prachtvollen Weihnachtsstern spendiert. ma/thm

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