Der Tagesspiegel : Kurzmeldungen

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UNTERM ADLER

Politik ist nicht nur, was Kabinett und Landtag beschließen, sondern auch, was auf den Fluren getuschelt wird. Deshalb bringt der Tagesspiegel jeden Sonntag einen Blick hinter die Brandenburger Kulissen.

Brandenburgs Politiker brauchen Nachhilfe im Englischen. Dies wurde jetzt im Wirtschaftsausschuss des Landtages deutlich, wo der neue, gerade aus Arizona gekommene Finanzvorstand der Chipfabrik, JeanJacques Morin, über die finanzielle Lage des Unternehmens informieren sollte. Morin spricht französisch und englisch, aber nur gebrochen deutsch. Einzig der CDU-Abgeordnete Christian Ehler befragte ihn im perfekten Englisch. Weil die anderen Abgeordneten nichts verstanden und auch Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns des Englischen kaum mächtig ist, hatte ein Übersetzer viel zu tun. Regierungschef Matthias Platzeck will nun Konsequenzen ziehen und im nächsten Urlaub auf Malta einen Englisch-Intensivkurs belegen.

In Potsdam kursieren Gerüchte um den Datenschutzbeauftragten Alexander Dix: Der 52-Jährige, der zuvor stellvertretender Datenschutzbeauftragter in Berlin war, wolle Brandenburg nach viereinhalb Jahren „enttäuscht und frustriert den Rücken kehren“ und in das gleiche Amt nach Hamburg wechseln. Dix hatte sich wiederholt mit der Landesregierung angelegt und Verletzungen des Datenschutzes sowie Beschneidungen des Akteneinsichtsrechts beklagt. Dix bestätigte, dass er sich um die Stelle beim Hamburger Senat beworben habe. Allerdings nur „aus persönlichen und familiären Gründen“.

Irgendwie kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass in Brandenburg alles ein wenig lax zugeht. Da werden die Haushaltslöcher immer größer, da stapeln sich in den Redaktionen die Protestfaxe gegen die Giftliste der Finanzministerin. Doch die Kabinettsitzungen werden immer kürzer. Letzten Dienstag war nach nicht einmal 25 Minuten alles vorbei. Dafür sieht man Minister und Staatssekretäre oft in Restaurants und Szene-Kneipen. Und manchmal irren Minister am Tage durch die Innenstadt, um entlaufene Haustiere einzufangen. So am Freitagmittag Bauminister Hartmut Meyer (SPD) seinen geliebten Hund. ma/thm

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