Der Tagesspiegel : Kurzmeldungen

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UNTERM ADLER

Das jüngste Politbarometer von Infratestdimap ist für die märkische SPD alles andere als berauschend: Nur hauchdünn der Vorsprung (36 zu 35 Prozent) vor der Union. Trotzdem ist Partei- und Regierungschef Matthias Platzeck bester Dinge. Vor der Brandenburger SPD-Landesgruppe im Bundestag berichtete er letzte Woche stolz, dass ihm das Willy-Brandt-Haus gratuliert habe: weil Brandenburg das einzige Land sei, in dem die CDU die SPD derzeit in der Wählergunst nicht überflügelt habe. Erfahren hatte Platzeck von der jüngsten Umfrage bei dem Spitzentreffen mit der Leitung der Evangelischen Kirche, an dem auch Innenminister Jörg Schönbohm und Kulturministerin Johanna Wanka (beide CDU) teilnahmen. Platzecks launiger Kommentar: „Die Welt ist wieder in Ordnung.“ Eine Anspielung darauf, dass die Union noch im Dezember erstmals (36 zu 34) vor der SPD gelegen hatte.

SPD-Genossen registrierten die „schwarz-rote Annäherung“ auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin genau: CDU-Kulturministerin Johanna Wanka plauderte während des Brandenburg-Empfangs der Landesregierung lange mit PDS-Landeschef Ralf Christoffers, der früher schon mal laut über eine CDU-PDS-Koalition nachgedacht hatte. Ein SPD-Politiker: „Das wirkte wie ein trautes Tête-à-tête.“ Wanka wies das zwar empört zurück: „Andere umarmen und drücken mich, trotzdem wird es von niemandem registriert.“ Doch räumte sie ein, dass sie mit Christoffers gern und auch offen rede. „Mit ihm kann man das, er ist nicht die PDS.“ Dass Wanka anschließend bald eine Stunde lang auf der Tourismus-Messe herumirrte, hatte allerdings nichts mit Christoffers zu tun: Die Ministerin, mit dem Gelände nicht vertraut, fand den Ausgang nicht, an dem ihr Wagen stand.

Staatssekretär Eike Lancelle gilt im Innenministerium als hart und unerbittlich. Jetzt offenbarte er eine ganz andere Seite seines Wesens, was bei den Mitarbeitern zu einiger Überraschung führte. Neuerdings kommt der Workaholic, der in aller Herrgottsfrühe seinen Dienst beginnt und bis in die Nacht arbeitet, im Campingwagen angefahren. Und dreht später im Zwei-Stunden-Takt auf dem weitläufigen Gelände einige Runden Gassi – mit einem riesigen weißen Hund. Bei einem Besuch im Tierheim war das bildschöne Tier auf Lancelle zugestürzt – und schon war es um diesen geschehen. Um keinen Präzedenzfall zu schaffen, nimmt der als überaus korrekt geltende Beamte den Vierbeiner jedoch nicht mit ins Büro; er muss im extra für ihn hergerichteten Campingwagen auf sein neues Herrchen warten. Der Hund nimmt’s gelassen – ist doch sein Herrchen auch für Brandenburgs Hundehalterverordnung zuständig.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) macht sich bei Brandenburgs Journalisten unbeliebt: Schon seit anderthalb Jahren versucht die Landespressekonferenz – mit einhundert Mitgliedern die größte Ostdeutschlands – Wowereit für ein Hintergrundgespräch in Potsdam zu gewinnen. Ohne Erfolg. Selbst im fernen Schwerin, so registriert der Korrespondenten-Verein, sei das Interesse an Brandenburg größer als in Berlin: Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschef Harald Ringstorff (SPD) jedenfalls nahm sich 90 Minuten Zeit, um Brandenburgs Landtagsreportern Rede und Antwort zu stehen. Der ORB-Moderator Thomas Braune, Vorsitzender des Vereins, hat für Wowereits hartnäckige Weigerung nur eine Erklärung: „Die ständig beschworene Fusion beider Länder – alles nur Lippenbekenntnisse.“ ma/thm

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