Der Tagesspiegel : Kurzmeldungen

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UNTERM ADLER

Ein Kochbuch hat er schon geschrieben, jetzt ist Modeschöpfer Wolfgang Joop auch unter die Gastronomen gegangen. Vom Potsdamer GastronomieKönig Nico Gehn hat der Designer zusammen mit einem Partner das Feinschmecker-Restaurant Barokoko samt dazugehörender Bar übernommen. Und sich damit, wie Joop selbst sagt, „einen Traum erfüllt“. Er liebe den Platz am Nauener Tor und das Barokoko, wo er seit Jahren Stammgast ist. Hinweise, dass Gehn auf diese Weise Verbindlichkeiten gegenüber Joop beglichen hat, werden in dessen Umfeld bestritten. Gehn hatte einst mit finanzieller Hilfe des Designers einen Joop-Store eröffnet, ihn jedoch wegen hoher Verluste nach anderthalb Jahren wieder geschlossen. Daraufhin hatten sich die Freunde überworfen. „Joop wollte das Barokoko gern haben, Gehn hat es verkauft“, behauptete ein Vertrauter Joops. Dieser kommentierte den Deal im kleinen Kreis mit dem Satz: „Früher habe ich dort an einem Abend 1000 Mark gelassen, jetzt fließt das Geld in die eigenen Kassen.“

SPD-Ministerpräsident und Landeschef Matthias Platzeck laufen die besten Leute weg: Mit Ulrich Freese, dem mächtigen Unterbezirkschef von Spree-Neiße und Landtagsabgeordneten, gibt einer der profiliertesten märkischen Genossen auf. Sein Entschluss stehe fest, informierte Freese führende Genossen vertraulich. Er trete als Unterbezirksvorsitzender zurück und werde auch nicht wieder für den Landtag kandidieren. Der Grund: Die SPD-Fraktion hatte ihn vergangene Woche erneut desavouiert, als sie die Wahlkreise in seiner Hochburg Spree-Neiße beschnitten hat. Zuvor hatte sein Landkreis bereits bei der Gemeindereform Orte an Cottbus verloren. Diese dauernden Beleidigungen und Affronts könne er nicht mehr hinnehmen, sagte Freese. Der Politiker sitzt auch im Hauptvorstand der Gewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie. Er vermutet einen Deal zwischen Gegnern in den eigenen Reihen und Schönbohms CDU. Bei der Union gilt Freese, der in der V-Mann-Affäre den Rücktritt des Innenministers forderte, als rotes Tuch. Zuvor hatte bereits der SPD-Unterbezirkschef von Teltow-Fläming, Christoph Schulze, aus Frust über die SPD-Politik laut über einen Rückzug nachgedacht.

Böse Zungen behaupten, dass sich die ersten SPD-Minister wegen der schlechten Umfragewerte und einer befürchteten Niederlage bei der Landtagswahl 2004 schon nach einem neuen Beruf umsehen. Anlass: Sozialminister Gunter Baaske, einst Manager der DDR-Kultband „Keimzeit“, und Staatskanzlei-Chef Rainer Speer, früher DDR-Klubhauschef, versuchten sich Freitagabend in der Potsdamer „fabrik“ als DJ. Die Einladungskarte zeigt die beiden im wilden Outfit auf Freizeittour im Spreewaldkahn, die Bierflaschen in der Hand. Überschrift: „Demografie und Steuerschätzung: Wir geben nicht auf – wir legen auf.“ Kommentar von CDU-Generalsekretär Thomas Lunacek, der eine persönliche Einladung bekommen hat: „Die beiden eifern offenbar Siegmar Gabriel nach.“ Der Ex-Ministerpräsident von Niedersachsen ist nach seiner Wahlschlappe zum Popbeauftragten der Bundesregierung avanciert. Speer versicherte jedoch: „Wir haben nicht vor, DJ zu werden.“ ma/thm

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