Der Tagesspiegel : Kurzmeldungen

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UNTERM ADLER

Eigentlich könnte er sich ganz entspannt erholen: Die Brandenburger CDU steht in den Umfragen so gut da wie noch nie. Trotzdem beobachtet CDULandeschef und Innenminister Jörg Schönbohm auch im Urlaub aufmerksam alles, was sich auf der politischen Bühne in Potsdam tut. Ganz der alte General, immer in Alarmbereitschaft. Erst jüngst hatte der Urlauber den Ministerpräsidenten Matthias Platzeck von der SPD öffentlich kritisiert, weil dieser der PDS Avancen gemacht hatte. Jetzt meldete sich der Umtriebige beim Regierungschef sogar kurzfristig zum Vier-Augen-Gespräch an. Nicht einmal CDU-Minister wussten davon. Auch in der Staatskanzlei rätselte man, „was Schönbohm unter den Nägeln brennt“. Es soll um atmosphärische Störungen, aber auch um Einschnitte im Haushalt des Innenministeriums gegangen sein. Allerdings habe Schönbohm, so beobachtete ein Staatskanzlei-Mitarbeiter, nach fast einer Stunde Platzeck „entspannt“ verlassen.

Die Erleichterung in der geheimen „Schlossrunde“, die letzte Woche wieder in Potsdam tagte, war groß: Ein Experte überbrachte die frohe Botschaft, dass eine wichtige Hürde für den Aufbau des Potsdamer Stadtschlosses genommen werden kann. Er hatte ermittelt, dass das Schloss genug Platz für ein Landesparlament mit all seinen Funktionen bieten würde, was vorher ungewiss war. Damit wäre eine Grundbedingung von Landtagspräsident Herbert Knoblich (SPD) erfüllt, der vom Gegner mehr und mehr zum Befürworter des Schlossaufbaus wird. Bei der jüngsten „Schlossrunde“, so beschrieb es ein Teilnehmer, habe Knoblich „sehr konstruktiv“ mitgewirkt. Allerdings ist mit einer schnellen Entscheidung dennoch nicht zu rechnen. Zwar haben neben der Hamburger ECE-Gruppe weitere Investoren angeklopft. Doch müssen noch umfangreiche Verhandlungen geführt werden.

Der Bundeskanzler nebst Gattin und viel Prominenz gaben sich die Ehre – beim jüngsten Pferderennen um den Großen Porsche-Preis in Hoppegarten. Nur Brandenburger Politiker glänzten bei diesem gesellschaftlichen Ereignis durch Abwesenheit. Dabei liege die traditionsreiche Galopprennbahn, die in den letzten Jahren ums Überleben kämpfte, im Brandenburgischen, zürnte der SPD-Bundestagsabgeordnete Peter Danckert, der auch Präsident des Landespferdesportverbandes ist. „Kein Landtagsabgeordneter war da, kein Minister!“ Mit einer Ausnahme: CDU-Landeschef und Innenminister Jörg Schönbohm. „Aber der ist ja überall“, meinte Danckert. Seine Kritik richtete sich vor allem an die SPD-Prominenz. Wie auch immer, so Danckert, wenn das Rennen nächstes Jahr wieder stattfinde, „muss auf jeden Fall das halbe Kabinett da sein“. ma/thm

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