Der Tagesspiegel : Kurzmeldungen

Sandra Dassler

PRO

Ja, die Chipfabrik ist tot. Und der Cargolifter wird sich nie in die Lüfte erheben – jedenfalls nicht über märkischem Sand. Auch für den Lausitzring sind zu viele Fördermittel geflossen. Dass dies bei diversen Projekten in Berlin nicht anders war, ist kein Trost. Die Skepsis, mit der jetzt viele die Pläne für einen Tropenpark in der Cargolifterhalle verfolgen, erscheint daher durchaus angebracht. Nur – es sollte eine gesunde Skepsis sein, keine hämische Hysterie und schon gar kein lähmender Nihilismus. Ein wenig Sachlichkeit tut aber Not: Die riesige Halle in Brand ist nach wie vor eine Touristenattraktion. Freilich können die Besucher-Einnahmen nicht die jährlichen Betriebskosten von rund 500000 Euro decken. Die Landesregierung hätte die Halle also abreißen müssen – dann wären die dafür geflossenen Fördermittel endgültig futsch. Warum also nicht den Versuch wagen, zumal der neue private Investor bislang alles pünktlich gezahlt hat? Wenn es funktioniert, könnten sich vor allem Familien freuen, deren Budget eben keinen Urlaub in Thailand oder in der Karibik erlaubt. Und die vom Investor beantragten Fördermittel betreffen vor allem die Infrastruktur. Sie nutzen also vielen, wenn sie verantwortungsbewusst geprüft und beschieden werden. Nein, wenn man denn etwas an „Tropical Island“ kritisieren muss, dann eher den enormen Energieverbrauch. Aber nicht den Versuch, die Halle doch noch zu nutzen. Der Lausitzring war ja auch schon totgesagt. Jetzt singt dort Grönemeyer: Der Mensch bleibt Mensch, weil er hofft…

CONTRA

Hätte man sich nicht längst dran gewöhnt - man müsste sich darüber ärgern: Nun sollen auch dem neuen Nutzer der Cargolifterhalle ein paar Fördergelder hinterher getragen werden. Der Unternehmer, der die bankrotte Zeppelin-Produktionsstätte zum Tummelplatz für Tropentouristen umbauen will, verdient gewiss alle moralische Unterstützung. Er leistet einen Beitrag zum Umweltschutz, indem er Leuten, die sich Ferien nur in künstlicher Wärme unter importiertem Vogelgezwitscher und bei 99 Prozent Luftfeuchtigkeit vorstellen könne, ihr virtuelle Ferienparadiese mit deutschem Bier und deutschem Kaffee verschafft – ohne dass sie zuvor Tonnen von Kerosin verbrannt und damit die Atmosphäre verpestet haben. Das ist doch was. Aber er hatte sich offenbar schon ausgerechnet, dass das Unternehmen sich lohnen könnte, bevor ihm Infrastrukturfördergelder angetragen worden sind. Die Brandenburger Politiker haben noch nicht verstanden, dass ihr schönes armes Land finanziell in ähnlich prekärer Lage ist wie die Pleitehauptstadt Berlin. Sie sollten sich endlich ein Herz fassen und sagen: Schluss, wir lernen aus den Fehlern des größten postsozialistischen Geldverschwenders diesseits der Oder, Manfred Stolpe. Wir geben nichts mehr in ein Projekt, das schon zu viel gekostet hat. Die Landesregierung sollte bloß ein Zeppelinmodell und eine nackte, gebeugte Schaufensterpuppe erwerben, in die Halle stellen und Eintritt nehmen für das Denkmal des unbekannten Steuerzahlers. Werner van Bebber

WAS MEINEN SIE?

Soll der Tropenpark in der Cargolifterhalle öffentlich gefördert werden?

Rufen Sie am heutigen Sonntag zwischen 8 und 24 Uhr an. Wenn Sie dafür sind, wählen Sie 0137-203333-1, sind Sie dagegen: 0137-203333-2 (12 Cent pro Anruf). Das Ergebnis veröffentlichen wir am Dienstag.

Abstimmung im Internet unter

www.tagesspiegel.de/ted

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