Länderspiel gegen Wales : Jetzt erst recht

Mit großen Personalsorgen ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Wales gelandet. Vor allem die Abwehr und das Mittelfeld leiden unter namhaften Ausfällen. Doch allen Widrigkeiten zum Trotz will Löws Truppe ein gutes Ergebnis einfahren.

Arne Richter,Klaus Bergmann
Schweinsteiger
Viel Verantwortung: Bastian Schweinsteiger gehört im ausgedünnten Kader zu den Erfahrendsten. -Foto: ddp

CardiffErst England, jetzt Wales: Nach dem schmerzhaften Ausfall von Philipp Lahm will die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihrer unheimlichen Personalmisere trotzen und mit dem Geist von Wembley den vielleicht schon entscheidenden Schritt zur EM-Teilnahme 2008 machen. Die Trainings-Verletzung von Lahm warf kurz vor der Reise nach Wales die Planungen von Personaltüftler Joachim Löw zwar wieder über den Haufen, doch der Bundestrainer fordert im Duell mit den kampfstarken Walisern am Samstagabend (20.30 Uhr/ZDF) in Cardiff den nächsten mutigen Auftritt seiner Mannschaft. Im Millennium Stadion soll auch ohne die ebenfalls verletzten oder gesperrten Mittelfeldstrategen Michael Ballack, Torsten Frings und Bernd Schneider die offensive Spielphilosophie gezeigt werden.

"Wir haben sehr positive Spiele gemacht, obwohl wir Ausfälle hatten. Das spricht dafür, dass sich die Mannschaft entwickelt hat", sagte Löw. Mit Bastian Schweinsteiger als Aushilfs-Chef im Mittelfeld sowie Rückkehrer Miroslav Klose als Ersatz-Kapitän und Sturmführer erwartet der DFB-Coach von seinem in der Qualifikationsgruppe D noch ungeschlagenen Team die Fortsetzung der schon beim 2:1-Prestigeerfolg in England vor gut zwei Wochen gezeigten aggressiven Mentalität und eines intelligentes Zweikampfverhaltens.

Zwanziger: "Flaggschiff wird weiterfahren"

Auch wenn der Platz von Lahm an Bord der Chartermaschine LH 5010 frei blieb, war der Optimismus nach der Landung im sommerlichen Cardiff ungebrochen. DFB-Präsident und Delegationsleiter Theo Zwanziger, der erst am Spieltag einfliegt, sprach der Mannschaft Mut zu: "Unser Flaggschiff wird weiter fahren und auch diese Hürde nehmen. Der große Sieg in Wembley gegen England hat Selbstvertrauen gegeben und gezeigt, dass wir überall bestehen können", sagte Zwanziger voller Vertrauen in Löw und das Team.

Durch einen weiteren Sieg könnte die personell arg dezimierte DFB-Auswahl praktisch schon das Ticket für die EM-Endrunde in Österreich und der Schweiz lösen. Mit 19 Punkten rangiert der WM-Dritte klar vor Tschechien (14 Punkte) und Irland (13). Wales ist mit sieben Zählern noch hinter der Slowakei (9) schon hoffnungslos abgeschlagen. "Es würde mich freuen, wenn nach dem Spiel rechnerisch fast alles in trockenen Tüchern ist", sagte Zwanziger.

Lahm-Verletzung erschwert Personal-Puzzle

Löws ohnehin schon schwieriges Personalpuzzle wurde durch Lahms Verletzung zusätzlich verkompliziert. Der Bayern-Profi reiste wegen seiner am Vorabend beim Training in Köln erlittenen Innenbanddehnung im linken Knie nach München statt nach Cardiff und stürzte den Bundestrainer in noch größere Sorgen. Egal wo der kleine, aber effektive Defensivmann auch eingeplant war, ob wie in England auf der Sechser-Position oder als rechter Verteidiger, fehlen wird die Allzweckwaffe dem DFB-Team in jedem Fall. Das Abschlusstraining in Cardiff war Löws einzige verbliebene Übungseinheit, um noch auf den letzten Drücker eine Alternativ-Aufstellung einzuspielen.

Löw hatte schon vor dem Trainingsunfall vor zu viel Euphorie nach dem England-Sieg gewarnt. "Wir hatten auch einige Schwächen. Das darf uns gegen Wales nicht passieren. Die sind im Moment kämpferischer und lauffreudiger als die Engländer", mahnte der Bundestrainer, der seine Auswahl wie immer mit intensivem Videostudium auf den unbequemen Gegner einstellte. Über die Außenpositionen will der Bundestrainer die kopfballstarken Stürmer Klose und Kevin Kuranyi in Position bringen und so die Defensive der Waliser knacken.

Schweinsteiger mit goßer Verantwortung im Mittelfeld

"Wir sind in der Lage, spielerisch ein Übergewicht zu schaffen", betonte Löw. Mit welchem Mittelfeld-Personal dies gelingen soll, war aber offener denn je. Nur Schweinsteiger hatte seine neue Aufgabe in der Zentrale schon Tage vor der Partie deutlich vermittelt bekommen. "Ich erwarte, dass er das Spiel schnell macht und der Mannschaft Impulse gibt", sagte der Bundestrainer.

Immerhin im Angriff bietet sich Löw mit Kapitän Klose und Kuranyi das derzeit wohl bestmögliche Duo. Und auch in der Abwehrzentrale kann der Bundestrainer mit seinem Pärchen Per Mertesacker/Christoph Metzelder auf bewährte Kräfte bauen. Metzelder und Klose sind die einzigen beiden Akteure, die in der jungen deutschen Mannschaft die Atmosphäre im Millennium-Stadion schon vom letzten deutschen Auftritt im Mai 2002 kennen, als der WM-Test mit 0:1 verloren ging. Damals stand auch Oliver Bierhoff noch auf dem Platz. "Das ist ein stimmungsvolles Stadion. Ein leichtes Spiel wird das nicht. Wir haben viele Ausfälle, wollen aber dennoch drei Punkte holen", forderte der Teammanager offensiv.