Der Tagesspiegel : Länger, höher, weiter

Bad Freienwalde baut eine 40-Meter-Skisprungschanze und träumt davon, den Weltcup ins Oderland zu holen

Claus-Dieter Steyer

Bad Freienwalde. Der Traum von einem Weltcup der Skispringer in Brandenburg rückt näher. Schon in zwei oder drei Jahren sollen in Bad Freienwalde am Rande des Oderbruchs große Sprungschanzen stehen. Am Wochenende wurde zunächst der Grundstein für einen 40-Meter-Bakken gelegt. Er ergänzt die bisherigen Anlagen für Flüge bis 10 und 20 Metern. „Wir sind zuversichtlich, ab 2004 als Landesleistungszentrums für den Skisport zu arbeiten“, sagte Jens Lüdecke, Kurdirektor und Zweiter Vorsitzender des örtlichen „Wintersportvereins 1923“. „Dann bauen wir die großen Schanzen und können durchaus auch die Weltelite bei uns begrüßen.“ Im Sommer würden Anlauf und Aufsprung mit Matten belegt und im Winter helfe Kunstschnee über die unsichere Wetterlage hinweg.

Zum großen Skifest am Wochenende klopfte eine Skisprunglegende den rührigen Funktionären und hoffnungsvollen Talenten auf die Schulter. Helmut Recknagel, Olympiasieger von 1960 in Squaw Valley, Weltmeister und dreifacher Sieger der Vierschanzentournee, fand das Engagement für den Nachwuchs „prima“: „Hier wächst bestimmt der eine oder andere große Sportler heran“, sagte der 65-Jährige. Seine Anerkennung und der Beifall der zahlreichen Zuschauer galten den 25 Kindern zwischen sieben und 14 Jahren, die bis zu 20 Metern durch die Luft segelten und überwiegend sicher landeten. Der Schanzenrekord von 21,5 Metern geriet allerdings nicht in Gefahr. Ihn halten zwei Springer aus Thüringen und aus dem tschechischen Harrachov.

Die beiden kleinen Schanzen sind bisher rein privat finanziert: „Örtliche Sponsoren, Spenden und viele unentgeltliche Arbeit unserer Mitglieder haben das möglich gemacht“, sagt Dieter Bosse, Chef des Vereins. Auch für die neue 40-Meter-Schanze gibt’s kein Geld aus Potsdam. 75 Prozent der 300000 Euro teuren Investition zahlt die EU aus ihrem Programm Interreg-III, das Projekte im grenznahen Raum unterstützt. Der Rest kommt von örtlichen Unternehmen und von der Kommune. „Bei uns trainieren mehrfach in der Woche zehn polnische Kinder aus den Dörfern hinter dem Grenzübergang in Hohenwutzen“, erzählt Bosse. Auch tschechische Talente kämen. „Wir sind damit praktisch ein internationaler Verein.“

Die großen Schanzen für Weiten bis 60, 90 und 120 Metern sollen Teil eines großen Wintersportparks sein. „Wir planen eine 400 Meter lange Sommerrodelbahn und eine Abfahrtsstrecke“, blickt Kurdirektor Lüdecke voraus. Die topografischen Voraussetzungen seien fast ideal. Vom höchsten bis zum niedrigsten Punkt bestehe im vorgesehen Areal an der Bundesstraße 158 ein Höhenunterschied von 150 Metern. Nebel und Stürme kämen im hiesigen Kontinentalklima viel seltener als in den Gebirgsregionen vor.

Der nächste Wintersport-Höhepunkt in Bad Freienwalde steigt am 7. und 8. Juni. Dann treffen sich junge Sportler aus Polen und Tschechien zum Mattenspringen und zur Eröffnung der neuen 40-Meter-Schanze. Sie soll den neuesten Anforderungen der Internationalen Skiföderation FIS entsprechen und auf den Resten der alten Papengrund- Anlage entstehen. Die war in den sechziger Jahren abgerissen worden, weil die Winter immer trockener ausgefallen waren. Heute spielt dank der Technik vom Himmel fallender Schnee kaum noch eine Rolle.

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