Der Tagesspiegel : Land kürzt Geld für Opferhife: Beratungsstellen vor dem Aus

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Potsdam Ab Juli könnte das Hilfsangebot für Kriminalitätsopfer in Brandenburg deutlich eingeschränkt werden. Der Verein Opferhilfe Land Brandenburg müsste dann seine sechs Beratungsstellen schließen – falls der aktuelle Haushaltsentwurf des Justizministeriums bestätigt wird. Dies erklärte gestern der Vereinsvorsitzende Matthias Beutke. „Erste Kündigungen müssen wir wohl schon im April aussprechen“, sagte Beutke. Bisher bekam die Opferhilfe 90 Prozent ihrer Mittel aus dem Justizministerium, nun ist sie durch die vorgesehene komplette Streichung des Haushaltstitels „Opferhilfe/Täter-Opfer-Ausgleich" von 150 000 Euro in ihrer Existenz bedroht. „Wir leben nur von unseren Reserven, seit die Förderung im Februar ausgelaufen ist", sagte Beutke.

Im Justizministerium ist die Situation bekannt. „Wir zahlen zunächst einen Abschlag von 43 000 Euro aus Lottomitteln“, sagte Sprecher Thomas Melzer. Außerdem habe sich kürzlich die Regierungskoalition im Rechtsausschuss des Landtags auf einen Entwurf geeinigt, wonach die Mittel für die Opferhilfe wieder auf ihre ursprüngliche Höhe gesetzt werden sollten. Darüber werde jedoch noch entschieden. „Bis dahin sind uns die Hände gebunden“, sagte Melzer. Die Gelder seien weggefallen, weil im Haushaltsgesetz alle freiwilligen Landesaufgaben gestrichen worden seien. „Wir schätzen die Arbeit des Vereins sehr“, sagte Melzer.

Der Verein Opferhilfe wurde 1996 gegründet und besitzt Zweigstellen in Potsdam, Brandenburg/Havel, Cottbus, Senftenberg, Frankfurt (Oder) und Neuruppin. 2004 wurden rund 400 Opfer von Gewalt, sexuellem Missbrauch und rassistischen Übergriffen über längere Zeit kostenlos beraten und unterstützt. HK

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