Landesgartenschau : Traumlandschaften einer Kurfürstin

In sechs Wochen beginnt die Landesgartenschau in Oranienburg. Die Stadt nutzte die Fördergelder, um den historischen Ort herauszuputzen.

 Claus-Dieter Steyer
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Die Maskottchen. „Louis“ und „Henriette“ werben mit bunten Kostümen für die Landesgartenschau. Foto: Steyer

Oranienburg - So schnell kann der Wandel einer tristen Ortschaft im Schatten der Berliner Mauer zu einer ansehnlichen Kleinstadt mit Fluidum und vielen sehenswerten Plätzen gehen: Man packt alle für die nächsten 25 Jahre geplanten Veränderungen auf einen Tisch, ergänzt sie mit Ideen für eine große Parklandschaft im Zentrum und bewirbt sich um die Ausrichtung der Landesgartenschau. Vor drei Jahren ging dieser Plan für Oranienburg in Erfüllung, setzte sich die Stadt doch gegen 11 andere Bewerber durch. Am 25. April öffnet die mit 30 Hektar Fläche bisher größte Brandenburger Landesgartenschau ihre Tore für Besucher. „Wir werden sie ins Staunen versetzen“, kündigte Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD) bei einem Rundgang gestern an. „So herausgeputzt, freundlich und hell haben sie die Stadt noch nie gesehen.“

Rund 30 Millionen Euro sind in den vergangenen drei Jahren hier verbaut worden, davon stammen zwei Drittel aus Kassen des Landes, des Bundes und der EU. Allein die Verlegung und der Neubau der Schlossbrücke, über die sich bis zur Fertigstellung der Umgehungsstraße vor wenigen Jahren der gesamte Verkehr zwischen Berlin und Neustrelitz und Stralsund quälte, kosteten dreieinhalb Millionen Euro. Jetzt kann der Platz vor dem großen Schloss, in dem vor 20 Jahren noch die DDR-Grenztruppen ihre Garnison unterhielten, wieder in seinen historischen Dimensionen erlebt werden.

Die ehemaligen Garagen für die Schützenpanzer verwandelten sich dank der Landesgartenschau in Blumen- und Veranstaltungshallen. Gleich dahinter geht in wenigen Tagen eine nach originalen Unterlagen gebaute holländische Staatsyacht aus dem 17. Jahrhundert als besonderer Blickfang im neuen Schlosshafen vor Anker. Im Auftrag von Louise Henriette von Oranien, der Frau des Großen Kurfürsten von Brandenburg und späteren Namengeberin Oranienburgs, beförderte das Schiff vor rund 350 Jahren exotische Pflanzen wie Spargel, Kartoffeln, Ananas und Tomaten aus Südamerika nach Europa. Diese wurden dann erstmalig in Oranienburg angepflanzt.

„Wir haben uns bewusst für den Titel ‚Traumlandschaften einer Kurfürstin’ entschieden“, sagte Geschäftsführer Frank Oltersdorf. „Sie brachte nach den Zerstörungen des dreißigjährigen Krieges mit vielen Arbeitern aus ihrer Heimat wieder Leben in den Landstrich.“ Daher sei der Schlosspark wie einst wieder mit einem zwei Kilometer langen Netz an Wasserläufen durchzogen worden. Die Besucher sollen ihrer Phantasie und ihren Träumen freien Lauf lassen. Das dürfte bei Namen wie „Freude“, „Zuversicht“, „Liebe“ oder „Luxus“ nicht schwer fallen.

Auf 500 000 Besucher hofft Oranienburg zur Laga-Zeit zwischen April und Oktober. Jährlich kommen bereits 350 000 Menschen zur Gedenkstätte des KZ und des sowjetischen Internierungslagers im Ortsteil Sachsenhausen und 500 000 Badegäste in die Turm-Erlebniscity. Die meisten Laga-Besucher sollen aus Berlin und bequem mit der S-Bahn anreisen. Der Weg vom Bahnhof zum Festgelände am Schloss führt direkt durch die restaurierte Innenstadt. Dort ist gute Laune noch aus einem anderen Grund garantiert: 400 Menschen erhalten auf und vor dem Gelände befristet einen Job.

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