Der Tagesspiegel : Landkreis fordert kleinen Grenzverkehr für Taxis

Berliner Chauffeure wollen Fluggäste oft nicht in Brandenburger Ortschaften bringen. Das soll sich nun ändern

Christian van Lessen

Schönefeld - Auf dem Weg zum geplanten Großflughafen soll auch die Taxiwelt am Airport verändert werden. Der Landkreis Dahme-Spreewald hat den derzeit geltenden Taxivertrag zum Jahresende gekündigt. In einer neuen Vereinbarung soll von 2006 an das „Pflichtfahrgebiet“ für Berliner Taxifahrer in Brandenburg erweitert werden. Gedacht ist an einen Umkreis von 30 Kilometern um Schönefeld. Fahrten zu Zielen in diesem „Pflichtgebiet“ dürfen Taxifahrer nicht ablehnen.

Anders heute: Da müssen ankommende Fluggäste von Berliner Taxifahrern hören, dass sie nicht ins Brandenburgische fahren. Auch nicht, zum Beispiel, ins nahe Großziethen oder nach Waßmannsdorf. Es sei denn, zu einem überhöhten Sonderpreis, wobei gern 30 Euro pauschal genommen werden. Umgekehrt kann es auch vorkommen, dass der Fahrer eines Taxis mit Kennzeichen „LDS“ (Landkreis Dahme-Spreewald) eine Fahrt nach Berlin ablehnt, weil er nicht zu jenen Chauffeuren gehöre, die – mit Sondergenehmigung – auch die Berliner Flughäfen ansteuern dürfen. Flugpassagiere haben mitunter den Eindruck, sie müssten nicht nur auf ihr Gepäck, sondern mehr noch auf das Kennzeichen der Taxen achten.

Gleichwohl ist die Berliner Taxi-Innung gegen die Ausweitung des Pflichtgebiets – mit dem Hinweis, dass es sich nicht lohne, weil über 90 Prozent aller Touren ohnehin nur Berlin-Fahrten seien. Und auch die Verkehrsverwaltung, so Sprecherin Petra Rohland versteht den Brandenburger Wunsch nach Veränderung nicht, spricht von einem „guten, gültigen Vertrag“. Nach der bisherigen Regelung gehören nur Flughafen und Ort Schönefeld mit diversen Hotels zum Pflichtfahrgebiet für Berliner Taxifahrer. Weitere Fahrten ins Umland sind freiwillig. Bernd Dörendahl von der Taxi-Innung in Berlin lehnt eine Erweiterung des Pflichtgebietes auch deshalb ab, weil damit nicht nur Dahme- Spreewald, sondern auch weitere Landkreise berührt seien – was nur rechtliche Probleme schaffe. Dörendahl verstimmt die Aussicht, dass Berliner Taxis „fast schon nach Hoyerswerda“ rollen könnten. Außerdem müsse gewährleistet sein, bei der Rückfahrt auch Fahrgäste in Brandenburg aufnehmen zu dürfen, was auch nicht erlaubt ist. Die Taxifahrer, sagt er, hätten schon genug Probleme.

Bislang haben als Ausgleich für die große Berliner Taxipräsenz am Flughafen Schönefeld rund 80 Taxis aus dem Landkreis Flughafenrechte in Berlin. Sie dürfen die Airports in Tempelhof und Tegel anfahren und dort ankommende Passagiere auch an ihre Berliner Ziele bringen. Darüber hinaus ist ihnen stadtinterner Verkehr untersagt. Daran will der Landkreis nach Auskunft seines Wirtschaftsdezernenten Karl-Heinz Klinkmüller auch nichts ändern. Ihm gehe es nur darum, „dass der Reisende auch an sein Ziel kommt“ und der Taxiverkehr den Anforderungen „angepasst“ werde. Mit der 30- Kilometer-Grenze werde der Landkreis kaum überschritten. Man wolle keinen Taxi-Krieg und sei auf die Stadt angewiesen; auf 30 Berliner Taxis käme ohnehin nur eines aus LDS.

Am heutigen Mittwoch wollen Landkreis und Berliner Verkehrsverwaltung über das Problem verhandeln.

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