Der Tagesspiegel : Landpartie mit Milchkannenweitwurf und Kochkurs

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Neuruppin. Viele Städter ließen sich am Wochenende zu einem Ausflug aufs Land nicht lange bitten. Zum achten Mal hatten fast 200 Agrarbetriebe, Reiterhöfe, Fischereien und Vereine in rund 150 Dörfern ihre Tore für Besucher weit geöffnet. Vielerorts wurde die Landpartie zur Landparty. Denn neben Fragen rund um die Landwirtschaft stand das Vergnügen im Mittelpunkt. Bei Kremserfahrten, Milchkannenweitwurf, Rasenmäher-Meisterschaften und Kochkursen stellte sich schnell gute Stimmung ein.

„Die Landpartie hat natürlich gerade in diesen Tagen einen ernsten Hintergrund“, sagte Agrarminister Wolfgang Birthler. „Viele Verbraucher sind durch den Nitrofen-Skandal verunsichert. Direkt bei den Bauern haben sie nun die Gelegenheit, auf alle Fragen eine Antwort zu erhalten.“ Im Vorjahr waren die Veranstaltungen wegen BSE und der Maul- und Klauenseuche abgesagt worden.

Diesmal ließen sich vor allem ökologisch produzierende Landwirte die Chance zur Kundenwerbung nicht entgehen. Sie boten Führungen durch Ställe an, führten die Besucher auf die Weiden und stellten die Verarbeitung vor. „Wir kommen ohne zusätzliche Futtermittel aus“, sagte Martin Hesterberg, Juniorchef auf dem Gut Hesterberg bei Neuruppin. „Da gehen wir den Risiken in anonymen Futtermischwerken von vornherein aus dem Wege. Unsere Rinder bekommen nur das, was auch bei uns wächst.“ Die Gästen konnten auch einen Blick in die Hof-Schlachterei werfen. Da den Tieren hier der sonst übliche Stress des Transports und die Unruhe vor dem Tod erspart bleibt, soll das Fleisch besonders gut schmecken. Der Absatz erreichte dennoch keine Rekordmarke. Offenbar schreckten viele davor zurück, die Artgenossen der zuvor auf der Weide bewunderten Galloway-Rinder einfach zu verspeisen. Claus-Dieter Steyer

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