Der Tagesspiegel : Landrat Gunter Fritsch neuer Landwirtschaftsminister

55jähriger Kommunalpolitiker aus Märkisch-Oderland wird heute vorgestellt POTSDAM (ma).Der 55jährige Landrat von Märkisch-Oderland, Gunter Fritsch, wird neuer Agrarminister.Dies erfuhr der Tagesspiegel gestern aus sicherer Quelle.Ministerpräsident Manfred Stolpe und Fraktionschef Wolfgang Birthler verständigten sich am Sonntag auf den Nachfolger des wegen der Backofen-Affäre zurückgetretenen SPD-Politikers Edwin Zimmermann.Fritsch wird sich heute in der SPD-Landtagsfraktion vorstellen.Er soll in der kommenden Woche im Landtag vereidigt werden. Staatskanzlei und Fraktionsvorstand handelten den Namen des Nachfolgers gestern noch wie ein Staatsgeheimnis.Es sei ein Brandenburger, sagte Wolfgang Birthler nur und er werde im Laufe des Dienstags offiziell vorgestellt.Stolpe hatte sich von Anfang an darauf festgelegt, daß ein landwirtschaftlich erfahrener Brandenburger Nachfolger von Zimmermann werden solle.Nachdem der Teltow-Fläminger Landrat Peer Giesecke abgesagt hatte, waren zuletzt noch zwei Kandidaten im Rennen: Der dem SPD-Landesvorstand angehörende 48jährige Manfred Zalenga, der bis zur Wende LPG-Vorsitzender war, und Fritsch, der zwar kein Landwirt, sondern Diplom-Ingenieur für Mikrolektronik ist, aber seit 1990 als Landrat in einer Agrarregion vor allem mit Landwirtschaft zu tun hat.Gegen Zalenga sprach dem Vernehmen nach dessen einstige SED-Mitgliedschaft.Stolpe wollte in einer schwierigen Situation, in der seine Regierung aus den Negativ-Schlagzeilen nicht herauskommt, der Opposition offenbar keine Munition liefern. Allerdings wirft die Berufung von Fritsch zum Agrarminister für die SPD Probleme auf: Sie ist mit profilierten Landräten nicht reich gesegnet, schon gar nicht mit potentiellen Nachfolgern.Fritsch gilt nach einhelligem Urteil als ein "guter Landrat" und als "tragende Säule der SPD Oderland".Sein Wechsel nach Potsdam schaffe in Oderland Probleme, räumten überraschte regionale Parteikreise auf Anfrage ein.Fritsch ist keiner der "lauten Landräte", die sich in den Vordergrund drängen.Er gilt jedoch als durchsetzungsfähig und pragmatisch, außerdem werden ihm integrierende Eigenschaften bescheinigt.Auch dies dürfte Stolpe darin bestärkt haben, sich für Fritsch zu entscheiden.Hauptschwächen Zimmermanns waren eine gewisse Unberechenbarkeit und Streitsucht: So hat er immer wieder den Konflikt mit Umweltminister Matthias Platzeck gesucht, weil er dessen Naturschutzpolitik ablehnte.In SPD-Kreisen geht man davon aus, daß Fritsch aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen als Landrat und seiner Eigenschaften bei den Bauern ankommen wird. Der SPD-Politiker lebt in Müncheberg, wo er auch aufgewachsen ist.Er ging in Heinersdorf und Fürstenwalde zur Schule, lernte nach dem Abitur zunächst Kfz-Schlosser.Später arbeitete er an der Akademie der Wissenschaften als Labormechaniker und studierte an der TU Dresden.Nach der Wende ging er in die Politik: Er war SPD-Kreisvorsitzender und erster Landrat in Strausberg.1993 wurde er Landrat des neuen Großkreises Märkisch-Oderland.

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