Landtag : Pläne und Investor für Aufbau des Schlosses steht fest

Berlin diskutiert noch, Potsdam legt los: Nach fast zwanzigjähriger Debatte kann in Potsdam nun der Aufbau des Stadtschlosses beginnen, als Sitz des Landtages.

Thorsten Metzner
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Nach historischem Vorbild. Die Bilder des zukünftigen Brandenburger Landtags sind derzeit im Alten Rathaus von Potsdam zu sehen....dpa-Zentralbild

Potsdam - Berlin diskutiert noch, Potsdam legt los: Nach fast zwanzigjähriger Debatte kann in Potsdam nun der Aufbau des Stadtschlosses beginnen, als Sitz des Landtages: Parlamentspräsident Gunter Fritsch und Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) präsentierten am Freitag erstmals die Entwürfe für das „Haus der Demokratie“ in der Mitte der brandenburgischen Hauptstadt. Das Schloss wird der niederländische Baukonzern Royal Bam Group vom Frühjahr 2010 bis Ende 2012 errichten. Zuvor hatte der Haushaltsausschuss des Landtages dem Zuschlag an die Bam und dem bislang größten öffentlich-privaten Baufinanzierungsmodell für ein Landesprojekt zugestimmt.

Danach zahlt im Rahmen einer „öffentlich-privaten Partnerschaft“ (ÖPP) das Land bis 2043 jährlich rund zehn Millionen Euro an die Bam – für Miete, Unterhaltung, Reinigung und Bewachung des Gebäudes. Fritsch wies darauf hin, dass Brandenburgs Parlament im deutschen Vergleich bislang „am unwürdigsten“ untergebracht sei und nun ein repräsentatives Domizil erhalte. „Etwas Besseres als das Knobelsdorff-Schloss, das einst Potsdam den Maßstab gab, gibt es an dieser Stelle nicht“, sagte Platzeck. Das Parlament, das bisher oben auf dem Brauhausberg tage, rücke näher ans Volk, „auf Augenhöhe“ auch bei Demonstrationen.

Möglich wurde dies nur durch Mäzenatentum, da sich Land und Stadt lange schwer mit dem Schlossaufbau taten. 2001 hatte der TV-Moderator Günther Jauch Potsdam das Fortuna-Portal spendiert. 2007 überwies der Software-Milliardär Hasso Plattner 20 Millionen Euro, damit der neue Landtag die Schlossfassaden erhalten kann. In einer Videobotschaft aus San Francisco sprach Plattner nun von „gelungenen Plänen“: „Potsdam wird immer mehr zur Augenweide.“ Beim Aufbau des Stadtschlosses sei Potsdam weiter als Berlin. Es sei entgegen früheren Erwartungen gelungen, dass der Bau weitestgehend dem Knobelsdorffschen Vorbild entspricht, betonte der zuständige Finanzminister Rainer Speer (SPD): Nicht nur, dass außen und im Innenhof die Sandstein- und Putzfassaden originalgetreu wieder hergerichtet werden. Das berühmte historische Treppenhaus des Schlosses wird ebenfalls rekonstruiert, zum Aufgang in den Plenarsaal, der für den Fall einer Fusion auch 150 Abgeordneten eines gemeinsamen Parlamentes Platz bieten kann. 300 bis 400 Originalteile des 1945 beschädigten und in der Ulbricht–Ära gesprengten Schlosses werden eingebaut, so Speer. Im Vertrag sei zudem eine Klausel, damit vom Bam-Konsortium einheimische Firmen eingesetzt werden. Parallel zu den Bauarbeiten werde es eine Schaustelle geben.

Die holländische Bam hatte sich in der Schlussrunde des Vergabepokers gegen die Züblin AG durchgesetzt, die noch zwei Wochen Einspruch einlegen kann. Speer äußerte sich aber zuversichtlich, dass keine Prozesse das Projekt verzögern. Wie andere ausgestiegene Konsortien soll Züblin auch mit rund 300 000 Euro für den Planungsaufwand entschädigt werden.

Der Zuschlag an den holländischen Konzern, der in Deutschland bereits Stadien, Flughäfen, Hochhäuser und in Berlin die Arena am Ostbahnhof errichtete, hat beim Potsdamer Landtags-Schloss auch mit dem von der Bam beauftragten Architekten zu tun. Er bringt besondere Kompetenz für das Schloss mit: Es ist Peter Kulka, der in Dresden die Rekonstruktion des berühmten Residenzschlosses samt einer modernen, den Hof überspannenden Glaskuppel verantwortet – wie auch den dortigen, an der Elbe errichteten neuen, modernen Landtag. Sein Entwurf für den Landtag hatte Anfang 2009 schon die Expertenjury überzeugt.

Die nun erstmals öffentlich präsentierten Pläne stießen überwiegend auf Zustimmung, bis in die Reihen der Linken hinein. Der Vorsitzende des Finanzausschusses Ralf Christoffers sprach von „soliden Vorarbeiten“. Dennoch gab es auch Kritik an den Plänen: Der Schloss-Verein „Mitteschön“ bemängelte, dass es mit den verbreiterten Seitenflügeln, veränderten Dachformen, dem verkleinerten Innenhof immer noch Abweichungen vom historischen Vorbild gibt. „In 20 Jahren werden wir uns fragen“, sagte Sprecherin Barbara Kuster, „warum wir es nicht richtig gemacht haben.“ Aber solche Stimmen sind in Potsdam, wo noch vor zehn Jahren niemand den Aufbau des Stadtschlosses für realistisch hielt, eine Minderheit.

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