Landtagswahl : Platzeck siegt gegen den Trend: SPD wieder stärkste Kraft

Die Zeichen weisen auf eine Fortsetzung von Rot-Schwarz, obwohl Regierungs-Chef Platzeck mit Union und Linken sondieren will. Die CDU legt leicht zu, die Linke kann nicht profitieren. Die Rechtsextremen scheitern. Die FDP schafft erstmals seit 1994 wieder den Sprung in den Landtag.

Thorsten Metzner

Potsdam - Der Sozialdemokrat Matthias Platzeck bleibt Ministerpräsident in Brandenburg. Die SPD behauptete sich bei der Landtagswahl am Sonntag als Sieger, vor der Linkspartei und der abgeschlagenen Union. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kam die SPD auf 33 Prozent (2004: 31,9), die Linke auf 27,2 Prozent (28) und die Union auf 19,8 Prozent (19,4). Erstmals seit 1994 schafften auch die Liberalen mit 7,2 Prozent den Sprung in den Landtag, während es für die Grünen mit 5,6 Prozent knapp reichte. Rechtsextreme sind nicht mehr vertreten.

Noch am Abend kündigte Platzeck an, Sondierungsgespräche mit den Linken und der Union zu führen. Ziel sei „eine stabile Regierung.“. Er werde sich Zeit lassen, „Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit“, so Platzeck, der die Fortsetzung eines Bündnisses mit der Union favorisiert. Trotz des am Ende klaren Ausgangs erlebte Brandenburg am Abend einen Wahlkrimi, nach einigen Prognosen lag die Linke zunächst gleichauf mit der SPD.

Es ist gerade 18.30 Uhr, als Platzeck – trotz der Unsicherheit – im Foyer des Kinotheaters „Thalia“ in Potsdam-Babelsberg schon vor seine Sozialdemokraten tritt. Gut zweihundert Genossen haben sich versammelt. In diesen Minuten, wo der Ausgang noch offen ist, setzt Platzeck alles auf eine Karte. Er verlässt sich auf seinen Instinkt, dass ihm die Märker die Gefolgschaft nicht verweigert haben. Zu groß war der Zuspruch in den 152 Veranstaltungen, die er im Wahlkampf absolviert hatte. Einem Solo-Marathon, bei dem er keine Herausforderer hatte, der einzige blieb, der sich landauf, landab auf Kundgebungen stellte und anders als 2004 nirgends ausgepfiffen wurde.

„Es war klar, dass es eng wird“, ruft er nun von der Bühne, neben ihm Ehefrau Jeanette. Und er ruft sehr früh die SPD „bei aller Vorsicht“ zum Wahlsieger aus. „Wenn es dabei bleibt, wird die SPD nach 20 Jahren, zum fünften Mal in Folge stärkste Kraft sein.“ Trotzdem haben die Genossen im „Thalia“ bange Mienen. Ziehen die Linken doch vorbei? Gilt Platzecks Wort, dass die SPD nie Juniorpartner unter den Linken würde, wird er von einer Journalistin gefragt. Die Antwort: „Mein Wort gilt immer.“ Eine Stunde noch dauert das Wechselbad der Gefühle, ehe es Entwarnung gibt, der Vorprung der SPD wieder größer wird, in den Nachtstunden der SPD-Sieg ganz klar ist.

Leichter hat es Johanna Wanka, die CDU-Vorsitzende und Forschungsministerin. Als Wanka in der Wahlkampfzentrale der CDU „Dock 09“, abseits in einem Industriegebiet gelegen, 18.20 Uhr erstmals vor Anhänger und Medien tritt, sieht sie erleichtert aus: Die Union hat etwas zugelegt. Klar, es hätte ruhig mehr sein können, die Liberalen haben den Christdemokraten manche Stimme abgenommen. „Auch die Zeit war so kurz“, sagt Wanka. Der Wähler habe die Konsolidierung der Partei honoriert, die Wanka erst Anfang 2009 nach früheren Grabenkämpfen übernommen hatte. Für die Konsolidierung und einen Wahlkampf zur Imagekorrektur, in dem sie Platzeck nicht angriff, blieben nur wenige Monate. Und die Zeichen, das ist entscheidend für Wanka, stehen für die Fortsetzung von Rot–Schwarz. „Wir haben gezeigt, dass wir uns bei schwierigen Problemen verständigen können.“

Am Ende wird es ein seltsamer Wahlabend, bei dem es plötzlich nur Gewinner gibt. SPD, CDU und die Linken sowieso, die im Wahlquartier im Potsdamer Bahnhof kräftig feiern. Und Spitzenkandidatin  Kerstin Kaiser wirbt erneut für Rot-Rot, „damit die SPD ihre Wahlversprechen einlösen kann.“ Kaiser: „Wir sind auf Augenhöhe. Wir stehen für Mitgestaltung.“ Der Poker um Brandenburgs künftige Regierung hat begonnen.

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